- ChatGPT hat in der Woche vom 21.04. bis 27.04. (angeblich) eine Milliarde Suchen bekommen
- ChatGPT bietet ein verbessertes Shopping-Erlebnis an
- ChatGPT ist per WhatsApp erreichbar (Perplexity übrigens auch)
- ChatGPT zeigt deutlichere Linkhinweise
- ChatGPT gibt Hinweise auf Trending Searches und Auto Complete/Suggests
Das mit den Suchen klingt beeindruckend. Wenn wir davon ausgehen, dass Google pro Jahr “5 trillion searches” bekommt, dann wären das 100 Milliarden in der Woche. ChatGPT hätte also 1/100 so viele Suchen wie Google.
Wir wissen aber nicht, wie OpenAI diese Zahl definiert.
- Immer, wenn die Suche getriggert wird?
- Bei jeder Suchanfrage durch den Prompt (das wären dann deutlich mehr)?
- Zählt Deep Research als eine oder viele Suchen?
Die Zahlen lassen sich für Headlines (die wir wie brave Schäfchen ohne zu fragen weiter verteilen) manipulieren, wie sie es wollen. Möchte man z. B. künstlich mehr Suchen, reduziert man den Threshold, den es braucht, um eine Suche zu triggern.
Noch interessanter ist aber Punkt 2 der Liste.
Wie kommst Du in die Shopping-Ergebnisse von ChatGPT?
In einem offiziellen Artikel schreibt OpenAI:
“Product results are chosen independently and are not ads. Any website or merchant can appear in ChatGPT search.”
Man müsse nur die Guidelines befolgen:
“1. Ensure you haven’t opted out of OpenAI’s search crawler.”
Sie reden hier nur vom OAI-SearchBot, nicht GPTBot oder ChatGPT-User.
“2. Sign up to be notified when feed submissions open.”
Wir brauchen also einen Feed, wie für organisches Shopping in der Google-Suche. Für die von uns, die im E-Commerce tätig sind, sollte das inzwischen zur täglichen Arbeit zählen.
Wer kann die Shopping-Erfahrung nutzen und welche Faktoren spielen eine Rolle für die Ergebnisse?
In einem Hilfeartikel gibt es mehr Informationen – der Rollout betrifft alle User (Plus, Pro und Free – auch ausgeloggt!).
“A product appears in the visual carousel when ChatGPT perceives it’s relevant to the user’s intent. ChatGPT assesses intent based on the user’s query and other available context, such as memories or custom instructions.”
Sie nutzen also die Memory-Funktionen für passende Produkte.
Wenn ChatGPT weiß, dass Du X, Y und Z magst, schlagen sie Dir (angeblich) passende Dinge vor, außer Du überschreibst die Erinnerung mit einem Prompt.
Konkrete Aspekte, die die Produktauswahl beeinflussen können, sind Preis, Bewertungen, Nutzbarkeit, Größe, Farbe und ähnliche Dinge.
Was berücksichtigt ChatGPT, um die Produkte auszuwählen?
Sie nennen:
- Structured Data von 3rd Parties (z. B. Preise und Produktbeschreibungen – in dem Fall heißt das nicht automatisch Schema Markup)
- Content von 3rd Parties (z. B. Reviews)
- Informationen aus den Trainingsdaten
- Sicherheitsstandards von OpenAI (wie auch immer das gemeint ist)
“When a user clicks on a product, we may show a list of merchants offering it. This list is generated based on merchant and product metadata we receive from third-party providers. Currently, the order in which we display merchants is predominantly determined by these providers.
We do not re-rank merchants based on factors such as price, shipping, or return policies. We expect this to evolve as we continue to improve the shopping experience.”
Die 3rd-Party-Provider müssten dann unsere Feeds und Partnerschaften sein (wie z. B. die angestrebte mit Shopify). Re-Ranking gibt es aktuell (noch) nicht, wäre aber sinnvoll, um das beste Ergebnis zu bekommen.
Macht ChatGPT unsere Shops überflüssig?
Laut einem Interview mit WIRED soll das nicht passieren. Es gibt keinen direkten Checkout innerhalb von ChatGPT. Der Clickout führt zur Produktseite und nicht in den Checkout, wie man es von den Google-Tests in den USA kennt.
Wenig überraschend sagt Adam Fry (Product Lead Search bei OpenAI – Ex-Googler), dass die Shopping-Erfahrung hochpersonalisiert und auf Konversation ausgelegt ist und weniger auf Keywords.
Auch spannend:
“Users can tell ChatGPT which types of reviews to prioritize when curating a list of recommended products.”
WIRED hat das Thema Affiliate-Umsätze angesprochen. Gute Frage, weil der Content aus den Ergebnissen häufig von Affiliates kommt, die bei ausbleibenden Clicks keine Mark mehr machen.
Fry hat nur gesagt:
“We are going to be experimenting with a whole bunch of different ways that this can work.”
Im Fokus stehen laut ihm vorerst qualitativ hochwertige Ergebnisse. Wie hochwertig die insgesamt sind, bleibt abzuwarten. Operator, der Shopping Agent, hat bisher nicht überzeugt.
Häufige Frage in meinem Kopf: Wie schafft es OpenAI, ein nachhaltiges Geschäftsmodell zu bauen? Denn aktuell verbrennen sie nur Geld.
“Sam Altman hasst Ads” – oder nicht?
Basierend auf Informationen von The Information (Paywall – hier ist ein alternativer Link) plant OpenAI ab 2026 mit “free user monetization”. Dieser Teil soll bis 2029 20% des Gesamtumsatzes ausmachen.
Vermutlich meinen sie damit eine Form der Werbung. Ein möglicher Weg aus dem Dilemma, mehrere Milliarden im Jahr durch Free User zu verbrennen.
Sam Altman hat vor nicht allzu langer Zeit in 2024 Folgendes gesagt:
“I kind of hate ads just as an aesthetic choice. "[…] I like that people pay for ChatGPT and know that the answers they’re getting are not influenced by advertisers.”
Financial Officer Sarah Friar sagte in einem Financial Times Interview Ende letzten Jahres:
“Our current business is experiencing rapid growth and we see significant opportunities within our existing business model. While we’re open to exploring other revenue streams in the future, we have no active plans to pursue advertising.”
Bei Ben Thompson im Stratechery-Interview hört sich das von Altman leicht nach Kursänderung an:
“Some sort of new model, which is we’re never going to take money to change placement or whatever, but if you buy something through Deep Research that you found, we’re going to charge like a 2% affiliate fee or something.
That would be cool, I’d have no problem with that. And maybe there’s a tasteful way we can do ads, but I don’t know. I kind of just don’t like ads that much. [...]
I like our current business model. I’m not going to say what we will and will never do because I don’t know. […]”
Übrigens: Sergey Brin und Larry Page haben vor 27 Jahren Sachen gesagt, für die man sie heute noch mit der Mistgabel piekst. Altman hat immer mal wieder gelogen und Menschen können ihre Meinung ändern (vor allem, wenn die Anreize dafür stark genug sind).
Mich würde es daher nicht wundern, wenn wir bald Ads sehen.
Woher kommen die Shopping-Daten von OpenAI?
In Zukunft aus Feeds von uns – aktuell aus Informationen, die man im Web findet.
Einer meiner ersten Gedanken: “Moment mal, woher hat OpenAI so viele Daten und kann Produkte ordentlich wie aus einem Shopping Graph ziehen?”
Zumindest manche Informationen klauen sie von Google (beachte die Anzahl der Bewertungen):
Und hier das gleiche Produkt in Google Shopping:
Auch die Favicons kommen von Google, wie man im Quellcode bei ChatGPT sehen kann:
Wundert mich nicht. Perplexity hat für lokale Ergebnisse von Google auch den Scraper angeworfen. ;)
Auch das Layout sieht dem von Google, wie ich finde, sehr ähnlich.
Ist das eine Gefahr für Google?
Sicherlich. Anfang 2024 habe ich in Google Under Pressure Folgendes geschrieben:
Shopping-Suchen bringen enorm viel Geld. Wenn Suchende auf Amazon & Co. anstatt Google suchen, fällt viel Umsatz weg. Amazon generiert inzwischen signifikante Werbeeinnahmen mit dem Marketplace-Modell, also auf der eigenen Plattform. Das ist Geld, was Google fehlt.
Zusätzlich baut sich ein Narrativ auf: Google schwächelt im E-Commerce. Das mögen die Shareholder natürlich nicht.
Laut einem Bericht von The Information hat Google Suchen an ChatGPT verloren, die Google kein Geld bringen und nicht kommerziell waren:
“ChatGPT has drawn away some search queries from Google, a senior Google executive testified on Wednesday, but primarily “homework and math” queries which don’t generate much in ad revenue.
The executive, Sissie Hsiao, said “so far we have not seen cannibalization of commercial queries or [queries with] commercial intent.”
Die neuen Features können das ändern und bei Google zu engen Krawatten und vermutlich einer erneuten Panik führen.
Zumindest hat Robby Stein (VP Product Search bei Google) wenige Tage nach OpenAI angekündigt, dass der Google-AI-Mode keine Warteliste mehr hat und Shopping ebenfalls dazu kommt.
Taugt das neue Shopping-Erlebnis von ChatGPT?
Mich hat das bisher nicht umgehauen.
Nicht immer konnte ich in meinen Tests die neue Shopping-Integration triggern, häufig gab es zwei Antworten, eine mit dem Feature und eine ohne.
Wenn es klappt, ist der Aufbau der Antwort sehr langsam, insbesondere der Teil, wenn man das Product Panel öffnet.
Normaler Teil der Antwort:
Das offene Product Panel, bei dem es ewig dauert, bis hier Text auftaucht (+ ChatGPT generiert den Text beim nächsten Aufruf des gleichen Chats gerne neu):
Und so nutzt mir “was andere sagen” nicht:
3x die gleiche Quelle und ein Bug, der oft vorkam (es steht Amazon drüber, ist aber nicht Amazon drin).
Ich teste weiter. Auch ein Vergleich mit Googles AI Mode steht auf meiner Liste. Fändest Du einen Artikel dazu interessant?
Was ich an Deiner Stelle jetzt machen würde
Zum Abschluss im Schnellfeuer:
- Baue einen Feed, der möglichst viele und genaue Informationen zu Deinen Produkten beinhaltet und liefere ihn OpenAI an, sobald das möglich ist.
- Finde heraus, ob und wie Deine Kunden genAI nutzen, um ihre Produkte zu kaufen, sich zu informieren, etc. Für viele Zielgruppen ist das (jetzt schon) relevant, aber nicht für alle.
- Als Hersteller: Finde Wege, wie Deine Produkte in relevanten Publikationen bei 3rd Parties positive Erwähnung finden. Das schadet auch für reguläre SEO nicht, denn auch Google nutzt in Tests ein neues Layout, in dem sie 3rd Parties, die dieses Produkt empfehlen, hervorheben.
- Richte ein vernünftiges Tracking ein, bei dem Du genAI-Sources und Referrer über die Zeit aktuell hältst (+ mache Dir bewusst, dass einige AI-Chatbots keinen Referrer senden, z. B. CoPilot und Meta AI bei WhatsApp) – wenn Du dabei Hilfe brauchst, sprich gerne Behrend an.
Was denkst Du, verliert Google relevante Marktanteile im Shopping an OpenAI (und damit potenzielle Werbeeinnahmen)? Und wie lange wird es wohl dauern, bis wir das in Zahlen sehen können?