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Geschäftsführender Gesellschafter
Bitte, Danke, die Rechnung, bitte!

Wie Johan in seinem Artikel Ja, ja, ja - was ist los, was ist das? berichtete, verändert sich gerade die Art und Weise, wie Menschen im Internet suchen. Nicht zuletzt durch Spracheingaben und detailreiches prompting werden die übermittelten Eingaben oft lyrisch. Und persönlich, manchmal sogar emotional. Die Maschinen und Algos werden quasi vermenschlicht. Freshly trending: "Bitte". Die BBC ist dem auch schon auf den Grund gegangen und vielleicht willst Du zur Maschine ja auch nur besonders nett sein, falls diese mal die Welt übernehmen und Du vielleicht eine Ration Dosenfutter mehr zugeteilt bekommst. Egal wie Du es für richtig hältst… mach doch.

Ich habe mir das Ganze allerdings mal von der wirtschaftlichen Seite angesehen und war bei der Hochrechnung dann doch ein wenig erschrocken. Das könnte sich so mancher CFO tatsächlich mal mit gespitztem Bleistift ansehen wollen, denn jedes Wörtchen extra kostet halt auch extra Tokens. Rechenleistung, Strom und die Kassen der Betreiber wollen schliesslich gefüllt werden.

Ein typisches "Könntest du mir bitte..." am Anfang plus ein nettes "Danke für die Antwort!" am Ende fressen in der Tokenizer-Logik im Schnitt 15 Tokens pro Prompt. Das klingt nach Peanuts. Aber skalieren wir das mal…

Ein SEO, der am Tag schmale 30 Prompts in die Tasten klimpert, verbraucht täglich 450 Tokens. Aufs Arbeitsjahr (220 Tage) gerechnet sind das rund 99.000 Tokens.

Bei einem Unternehmen mit 30 Menschlein sind das im Jahr 3 Millionen „Höflichkeits-Tokens“ und bei Konzernen mit rund 200 Mitarbeitern sind es satte 20 Millionen Tokens.

In der Deutschland-Rechnung auf Basis dieser höhst veralteten Bitkom-Studie aus 2025 zur Nutzung von AI in Deutschland nutzen mittlerweile 58 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren KI zumindest gelegentlich. Das sind grob 40 Millionen Menschen. Gehen wir extrem konservativ davon aus, dass diese Nutzer im Schnitt nur drei höfliche Prompts pro Woche schreiben. Selbst dann jagen wir allein in Deutschland jedes Jahr über 93 Milliarden Tokens nur für "Bitte" und "Danke" durch die Leitung.

Finanziell ruinieren diese Höflichkeiten ein Unternehmen nicht. 20 Millionen Tokens beim Enterprise-Ansatz kosten bummelig 100 Dollar im Jahr. Aber wir haben hier bisher auch nur über "Bitte" und "Danke" berechnet.

Volkswirtschaftlich und ökologisch betrachtet bedeuten dutzende Milliarden an reinen "Trash-Tokens" gigantische Mengen an unnötiger Serverlast und völlig sinnlosem Stromverbrauch.

Mein Fazit für Deinen Arbeitsalltag heisst also Flo-skeln sparen. Sei präzise, effizient und zur Abwechslung mal wunderbar unhöflich zur Maschine. Das "Bitte" und "Danke" heb Dir lieber für die echten Menschen an der Kaffeemaschine auf. Für mich gerne schwarz, ohne Zucker. Danke!

Geschäftsführender Gesellschafter

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