- Organische Suchergebnisse werden zunehmend durch eine wachsende Präsenz von bezahlten Anzeigen und anderen SERP-Features auf Google stark nach unten verdrängt, was den notwendigen Scrollweg bis zum ersten organischen Resultat massiv erhöht hat.
- Die Verdrängung wird primär durch einen rund 50-prozentigen Anstieg der Desktop-SERPs, die mit Werbung beginnen, und eine insgesamt größere Anzeigenfläche verursacht, während AI Overviews aktuell eine geringere Rolle spielen.
- Die Sichtbarkeit organischer Ergebnisse hängt stark vom Suchintent ab, wobei kommerzielle Anfragen fast doppelt so viel Anzeigenfläche beanspruchen wie informationale.
- Die reine Platzierung auf Position 1 oder die Pixelposition reichen nicht mehr aus, um die tatsächliche Sichtbarkeit und den Kontext einer SERP zu beurteilen, da viele Elemente das Scrollverhalten beeinflussen.
- Wir müssen Rankings neu denken und sowohl in Pixeln messen als auch SERP-Features dokumentieren, um die vollständige Präsenz zu verstehen und die Zusammenarbeit zwischen SEO und SEA zu optimieren, anstatt blind mehr SEA-Budget zu fordern.
- Eine differenzierte Betrachtung der Sichtbarkeit und Performance über einzelne Klicks hinaus ist entscheidend, um die wahre Wirkung unserer Präsenz auf der Customer Journey zu erfassen und Fehlinterpretationen von Traffic-Verlusten zu vermeiden.
Glückwunsch zu Platz 1. Jetzt noch zweimal scrollen…
…oder vor dem nächsten Scroll noch schnell ein paar Google-Aktien in den Einkaufswagen legen, denn da wird offenbar gerade viel Geld verbraucht und direkt zum Löcherstopfen benötigt oder es muss ein Polster her.
Tom Capper hat in seinem umfangreichen Artikel bewiesen, dass Paid Search aktuell nicht nur mehr Fläche einnimmt, sondern auch noch häufiger ausgespielt wird.
Position und Sichtbarkeit waren lange Zeit ein perfektes Doppel. Wer gesehen wurde, wurde auch geklickt. Jetzt werden die organischen Ergebnisse durch Werbeanzeigen immer weiter nach unten gedrückt.
Waren es im März 2026 560 Pixel Scrollweg bis zum ersten organischen Ergebnis, sind es jetzt nur 3 Monate später 1017 Pixel.

Der originale Gameboy hatte eine Fläche von 160 × 144 Pixeln und überlege doch mal, wie viel Spaß du damit hattest. Greedy Google will offenbar mehr Spaß.
Mein erster Impuls war "Ja klar, die AI Overviews sind größer geworden." Stimmt aber allein auch nicht. Das ist zwar nicht ganz falsch, wie Tom 2025 schon gemessen hatte, aber das reicht für die aktuelle Verschiebung noch nicht aus.
Zwischen Januar und Juni stieg dieser Anteil lediglich um 2,9 Prozentpunkte.
Die deutlichere Veränderung findet bei den Ads statt. Der Anteil der Desktop-SERPs, die mit Werbung beginnen, ist laut Tom um rund 50 Prozent gestiegen. Wow!
Ein Doppel-Wow wird es dadurch, dass es nicht nur der Anteil ist, sondern auch noch die Größe der Fläche insgesamt. Google hat sich quasi einen Ballsaal-Anbau an die SERPs genehmigt.
Wie stark die organischen Ergebnisse verdrängt werden, hängt vom Suchintent ab. Während informationale Suchanfragen ca. 22 % der Fläche beanspruchen, sind es bei kommerziellen Anfragen 44,8 %.
Der Korpus der Analyse betrug 11.500 Begriffe, welche aus einem Standort in UK und einem in US beobachtet wurden. Insgesamt 46.000 regelmäßig getrackte Kombinationen in einem bewusst kommerziell gehaltenen Set. Damit ist die Analyse zwar nicht für alle Google-SERPs repräsentativ, aber wie ich finde schon sehr augenöffnend.
Über Platz 1 darf man sich weiter freuen. Es ist die Bestätigung, dass kein anderes organisches Ergebnis mehr vor Dir steht, aber eben nicht, ob:
- und wie viele Anzeigen davor stehen
- wie hoch die Anzeigen sind und wie viel Platz sie einnehmen
- ein AI Overview ausgespielt wurde
- Shopping, Local Packs oder andere Features vorhanden sind
- das Ergebnis oberhalb des sichtbaren Bereichs liegt
- wie weit der Nutzer scrollen muss
Umgekehrt reicht auch die reine Pixelposition nicht aus. Sie zeigt uns zwar, wie weit unten ein Ergebnis beginnt, erklärt aber nicht automatisch, welche Elemente die Verdrängung verursachen und welche Chancen die konkrete SERP bietet.
Tom sagt, dass wir jetzt:
- Wichtige Rankings in Pixeln messen sollten, mindestens für Deine Money-Keywords
- SERP-Features dokumentieren sollten
- SEO und SEA auf dieselbe SERP schauen lassen sollten
Dabei sollte der Schrei nicht direkt nach mehr SEA-Budget sein, sondern es sollte vielmehr darum gehen, gemeinsam zu schauen,
- wo Paid Search zusätzliche Sichtbarkeit schaffen kann
- wo organische Fläche bereits gut besetzt ist
- bei welchen Keywords eine Anzeige das organische Ergebnis verdrängt
- wo sich eine doppelte Präsenz lohnt
- welche Suchanfragen durch Ads, Shopping oder andere Features kaum noch organisch erreichbar sind
Hatten wir schon über Attribution gesprochen? Sollten wir. Das sagt auch Tom. Gerade am Anfang der Customer Journey werden Entscheidungen stark von Suche beeinflusst, jedoch lässt sich der direkte Klick seltener oder schwerer messen.
Wer hier jetzt falsch abbiegt, misst in diesem Traffic-Verlust plötzlich einen Branding-Erfolg. Nene, so einfach ist es nicht und die Aussage „Wir bekommen kaum noch Klicks, werden aber intensiv wahrgenommen“ ist weiterhin kein belastbares Reporting.
Wir müssen vielmehr differenzieren:
- Werden wir überhaupt sichtbar?
- Wie präsent sind wir im Vergleich zum Wettbewerb?
- Welche SERP-Flächen besetzen wir?
- Welche Klicks und Conversions entstehen daraus?
- Welche Wirkung lässt sich nicht mehr sauber einer einzelnen Interaktion zuordnen?
Klicks bleiben wichtig, aber erzählen schon lange nicht mehr die ganze Story.