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Brave Search: Unter diesem - zugegebenermaßen nicht besonders kreativen - Namen wurde im März das Projekt einer eigenen Suchmaschine der Software-Entwickler hinter dem Datenschutz-orientierten Webbrowser Brave angekündigt. Für mehrere Monate lief eine Testphase, in der man mit Glück über eine Warteliste in den limitierten Kreis von Nutzern aufgenommen werden konnte. Letzte Woche startete dann die globale, offene Beta-Phase der Suchmaschine.

Unter search.brave.com kannst Du die Suche testen, die im Laufe des Jahres die Standardsuche im Brave-Browser werden soll.

Die vollmundigen Statements von Mitgründer und CEO Brendan Eich machen schon etwas her:

Unlike older search engines that track and profile users, and newer search engines that are mostly a skin on older engines and don’t have their own indexes, Brave Search offers a new way to get relevant results with a community-powered index, while guaranteeing privacy. Besonders spannend aus SEO-Perspektive ist natürlich, dass Brave einen eigenen, “unabhängigen” Index verwendet. Stand jetzt wird zur Qualitätssicherung der Suchergebnisse noch auf Ergebnisse aus Google oder Bing zurückgegriffen. Bei häufig gesuchten Anfragen will brave aber die Ergebnisse eigenständig beantworten.

Dennoch sind im Gesamtpaket einige interessante Ansätze dabei, wie zum Beispiel die “Search Independence Metric”, der angibt, wie viele Ergebnisse aus dem eigenen Index stammen und was von Google oder Bing. Oder die sogenannten “Community-kuratierten Ranking-Modelle”.

Die Marschroute von Brave scheint klar: eine komplett von von “Big Tech” losgelöste, transparente Suche von ähnlicher Qualität wie beispielsweise Google - und das ohne Einbußen im Datenschutz.

Brave Search doesn't track you or your queries. Ever. It's impossible for us to share, sell, or lose your data, because we don't collect it in the first place.

Gräbt man dann ein wenig tiefer, dann ist der “Angriff” auf Googles Marktmacht noch vorhanden, aber doch schon etwas verhaltener. So gibt Eich beispielsweise zu, dass man sich mit Googles Expertise insbesondere im Bereich von Longtail-Queries und dafür relevanter Ergebnisse schlichtweg nicht messen kann - und es deswegen auch nicht versuchen möchte. Stattdessen sollen die sogenannten vertikalen Märkte das Ziel sein.

The innovation through verticals is possible because it avoids having to take on Google's supreme competence, which is the rare or unique queries the long tail. What we're trying to do is different, it's not based on crawling the web, trying to crawl the whole web, it's not going to work.

Die Betonung hier liegt sicherlich auf dem “whole”. Denn auf Reddit nach einem Crawler gefragt sagt Jonathan Sampson (Senior Developer Relations at Brave):

We do indeed have our own crawler, actively building our own index. Presently the index consists of over 8 billion pages, with more than 40M crawled each day. The crawler, which does not contain a unique user-agent string, respects robots.txt.

Hier kann man sich durchaus die Frage stellen an welche Angaben sich brave denn halten will, wenn sie sich nicht durch einen User-Agent-String identifizieren lassen wollen.

Um das Crawling wird die Suchmaschine also offenbar nicht herumkommen, aber Brave fährt Ansätze, um den zu betreibenden Crawling-Aufwand zu reduzieren. Hierbei, so Eich, sollen die mit dem Kauf der Suchmaschine Tailcat (von Cliqz) erworbenen Technologien Anwendung finden. Darüber soll identifiziert werden, wo Nutzer noch keine zufriedenstellenden Ergebnisse gefunden haben.

What Tailcat does is it looks at a query log and a click log anonymously. These allow it to build an index, which Tailcat has done and already did at Cliqz, and it’s getting bigger.

Das sogenannte “Human Web” bildet nach Aussagen Eichs die Grundlage von Brave Search. Dabei handelt sich um ein Datenset, dessen Bildung durch einen anonymisierten Query Log Aggregator und partiellen Click Log Aggregator bei Cliqz begonnen hatte. Der Brave Search Index soll von den Aktivitäten der Nutzer lernen. Es ist davon auszugehen, dass der Umfang der Suche sich also nicht mit Google wird messen können. Aber auch das gehört zum Plan von Eich & Co.

“It’s the Web that the users care about. You don’t have to crawl the entire web in quasi-real-time as Google does.”

Ob sich diese Ansicht bewährt wird sich zeigen. Auf den ersten Blick machen die Ergebnisse der Suche selbst einen ganz soliden Eindruck. Bei informationalen Suchen und Know-Simple Queries sieht das schon ganz ordentlich aus. Etwas schwieriger wird es scheinbar bei etwas komplexeren und eher transaktionalen Themen.

So liefert Brave Search bei “Hamburg nach München” zwar durchaus sinnvolle Ergebnisse wie die Deutsche Bahn oder Eurowings. Aber hier fällt einem dann auf, dass es so etwas wie Maps bei Brave gar nicht gibt. Da wird einem schnell bewusst, wie umfassend Google eigentlich ist. In der Benutzung von Brave Search gibt es diese Momente gefühlt öfter, wo man beispielsweise eine Bild-Integration erwarten würde, wo keine ist. Wobei ganz spannend die Frage wäre, wie viel Bias hier aus der täglichen Google-Nutzung mitschwingt.

Brave wäre nicht die erste Suchmaschine, die Google (zumindest Teilweise) Konkurrenz machen soll und wird wahrscheinlich auch nicht die letzte sein. Der Ansatz auf Privatsphäre und Datenschutz zu setzen erfindet das Rad auch nicht neu. Mit derzeit 11,3 Mio. täglichen Nutzern ist auch noch jede Menge Luft nach oben. Aber der Markt für Produkte mit Fokus auf Datenschutz wächst und einen richtigen Platzhirsch unter den alternativen Suchmaschinen gibt es auch nach DuckDuckGo und Co. noch nicht.

Wir behalten die Entwicklung jedenfalls weiter im Auge. Für einen weiteren Überblick zu empfehlen wir Dir den Artikel von TechCrunch und dieses Interview mit Brendan Eich von TheRegister.

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