Zum Hauptinhalt springen
Head of Operations & Quality

Im Online Marketing sind Entscheidungen Alltag: Kampagnenbudgets, SEO-Fokus, neue Tools, Personalfragen, Maßnahmen-Priorisierungen – ständig müssen wir abwägen, bewerten und handeln. Und am liebsten schnell.

Doch genau da wird’s gefährlich: Unser Gehirn will nicht immer die beste Entscheidung – sondern die schnellste und bequemste. Es liebt Muster, Abkürzungen und Sicherheit, selbst wenn das auf Kosten der Qualität geht.

Das Ergebnis: Wir treffen Entscheidungen, die auf dem Papier schlüssig wirken – aber oft verzerrt, verkürzt oder voreilig sind.

Hier sind fünf typische Denkfehler, die Dich im Alltag sabotieren können und wie Du sie aushebelst:

1. Overconfidence Bias – Du überschätzt Deine Einschätzung

Je mehr Erfahrung wir haben, desto sicherer fühlen wir uns. Und desto eher glauben wir, „die richtige Entscheidung“ schon im Gefühl zu haben.

Beispiel: Du bist bei der Erarbeitung einer Keyword-Strategie intuitiv sicher, dass Du anhand des Keywords die Suchintention kennst, und neigst deswegen dazu, eine Abkürzung zu nehmen und Dich nicht mehr durch einen Blick auf die SERPs abzusichern. Mit etwas Erfahrung magst Du damit zu einem hohen Prozentsatz richtig liegen, aber eben nicht immer.

Oder: Beim SEO-Audit findest Du ein technisches Problem und bist sicher: Das ist der Grund für die schwache Sichtbarkeit. Du hörst auf zu graben und übersiehst dabei, dass auch andere Aspekte eine entscheidende Rolle spielen.

🔍 Was passiert? Du verlässt Dich zu sehr auf Deine Intuition, obwohl wichtige Informationen fehlen oder veraltet sind.

🛠️ Was hilft?

  • Starte bewusst mit einer „Ich weiß es nicht“-Haltung.
  • Sammle gezielt Gegenargumente.
  • Hole Feedback von jemandem, der nicht in Deiner Bubble sitzt.

2. Status-quo-Bias – Veränderung fühlt sich riskanter an als Stillstand

Selbst wenn eine Maßnahme sinnvoll wäre, bleiben wir oft beim Bestehenden. Einfach, weil es vertraut ist. Der Aufwand oder die Ungewissheit durch Veränderung erscheint Dir größer als der potenzielle Gewinn.

Beispiel: Deine Website hat zwar hohe Absprungraten, aber Du zögerst, ein Redesign anzustoßen, aus Angst vor unvorhergesehenen Folgen oder Mehraufwand.

Oder: Du bleibst bei Deinem Shop-System, obwohl sich damit hilfreiche Anpassungen an Deiner Website nicht umsetzen lassen, nur weil „das Alte ja immerhin funktioniert hat“.

🔍 Was passiert? Du entscheidest Dich unbewusst gegen Veränderung. Nicht, weil sie schlecht ist, sondern weil Du den Aufwand meidest oder das Risiko überbewertest.

🛠️ Was hilft?

  • Schreibe nicht nur Pro- und Contra-Listen, sondern auch: Was kostet es mich, wenn ich nichts tue?
  • Simuliere Entscheidungen: „Was wäre, wenn ich heute neu starten müsste? Würde ich es genauso machen?“

3. Choice Overload – zu viele Optionen lähmen Dich

Wenn Du vor einer Vielzahl gleichwertiger Alternativen stehst, kann das zu Entscheidungsblockaden führen.

Beispiel: Du vergleichst eine Vielzahl neuer Tools inkl. ihren Feature-Listen, Preisen und Integrationsmöglichkeiten. Am Ende bleibt alles offen, weil sich keine Option klar durchsetzt.

Oder: Du hast zehn Ideen für digitale PR-Kampagnen, aber da unklar ist, welche zündet, wird keine umgesetzt. Lieber nichts tun als falsch entscheiden.

🔍 Was passiert? Dein Kopf blockiert, weil er alle Eventualitäten berücksichtigen will. Die Entscheidung fühlt sich immer unvollständig an.

🛠️ Was hilft?

  • Reduziere bewusst auf maximal drei Optionen.
  • Lege klare Kriterien fest: z. B. Relevanz fürs Ziel, Aufwand, Ressourcen.
  • Setze Dir Deadlines, um nicht in Dauerschleifen zu geraten.

4. Escalation of Commitment – Du hältst zu lange an schlechten Entscheidungen fest

Du hast viel Zeit und Energie in ein Projekt gesteckt und obwohl es nicht funktioniert, machst Du weiter.

Beispiel: Ein Content-Format liefert konstant geringe Engagement-Zahlen, trotzdem erhöhst Du Budget und Ressourcen, statt zu akzeptieren: Das Format zahlt nicht auf Dein Ziel ein.

Oder: Du optimierst monatelang an einem SEO-Projekt, trotz fehlender Fortschritte in den Rankings. Statt innezuhalten und die Strategie grundsätzlich zu hinterfragen, machst Du einfach weiter.

🔍 Was passiert? Du willst Deinen bisherigen Einsatz nicht „verlieren“ und blendest aus, dass ein Kurswechsel effektiver wäre.

🛠️ Was hilft?

  • Frage Dich regelmäßig: Würde ich das heute nochmal genauso starten?
  • Trenne Investitionsentscheidungen von Ergebnisanalysen.
  • Hol eine unbeteiligte Meinung rein: Außenstehende sehen klarer.

5. Action Bias – lieber irgendwas tun, als nichts zu tun

Angst vor Untätigkeit treibt Dich dazu, Maßnahmen zu ergreifen, auch wenn Abwarten oder weitere Informationen sammeln eigentlich klüger wären.

Beispiel: Nach einem Umsatz-Rückgang setzt Du sofort mehrere Maßnahmen um, ohne die Ursache systematisch zu prüfen.

Oder: Dein CEO will schnelle Ergebnisse. Statt sauber zu analysieren, startest Du hektisch neue Maßnahmen, obwohl das Team nicht bereit ist und die Datenlage unklar ist.

🔍 Was passiert? Du entscheidest vorschnell, weil Nichtstun sich falsch anfühlt, selbst wenn Abwarten besser wäre.

🛠️ Was hilft?

  • Definiere klare Auslösebedingungen für Entscheidungen (z.B. KPI-Veränderung über x%).
  • Baue Mini-Experimente: kleine Tests statt großer Entscheidungen.
  • Etabliere Entscheidungsfenster: „Wir entscheiden nach x Tagen – nicht sofort.“

Fazit: Gute Entscheidungen brauchen ein gutes Setting

Du entscheidest nie rein rational. Dein Gehirn will schnell und sicher entscheiden – nicht unbedingt richtig. Deshalb lohnt es sich, typische Denkfallen zu kennen und Werkzeuge zu nutzen, die Dich davor schützen.

Wenn Du also das nächste Mal im Entscheidungsstress steckst, denk an diese Prinzipien:

  • Mach Deine Entscheidung explizit: Worum geht’s wirklich? Was steht auf dem Spiel?
  • Nutze Entscheidungsfragen und Checklisten: Sie bringen Struktur und Distanz.
  • Hol Dir Sparring: Nicht unbedingt von einem Experten, sondern von jemandem, der ehrlich und unvoreingenommen hinterfragt.
  • Schaffe bewusstere Bedingungen statt blinder Effizienz: Oft brauchst Du keine neuen Daten, sondern einen klareren Blick auf das, was Du schon weißt.

Denn gute Entscheidungen entstehen nicht im Kopf, sondern im Prozess.


💡 Dieser Artikel ist Teil einer Serie zu Denkfehlern im Online Marketing. Im vorherigen Teil ging es darum, wie Biases unsere Datenanalysen trüben. In einer kommenden Ausgabe schauen wir uns dann an, wie Denkfehler in Teamprozessen entstehen und was das mit Meetings, Feedback und Silos zu tun hat.

Head of Operations & Quality

Das ist ein Artikel aus unserem Newsletter. Wenn Du jeden Dienstag Morgen schlauer werden möchtest, melde jetzt kostenfrei für den SEO-Newsletter an

Kurze, praxisnahe SEO-Tipps – maximal 1× pro Woche. Keine Werbung, kein Spam.

Deine Daten sind bei uns in guten Händen und werden ausschließlich für diesen Newsletter genutzt.