Letzte Woche habe ich noch über Cloudflares eigenmächtige Standards gepöbelt.
Heute möchte ich einen neuen Standard-Draft des W3C highlighten. Sandra hat über die Arbeitsgruppe bereits vor einem Jahr berichtet, aber jetzt wurde der erste Draft zur Diskussion gestellt: Die Web Sustainability Guidelines (WSG)
Da das Internet und seine Nutzung je nach Berechnung für 2-5% der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich ist, ist es eine gute Idee, sich Gedanken darüber zu machen, welchen Beitrag jeder von uns leisten kann.
Nicht allein, damit wir Performance Tickets in die Nachhaltigkeitsbemühungen des Konzerns einarbeiten können und die Arbeit gemacht wird, ohne unser SEO-Umsetzungsbudget zu belasten, sondern auch, weil nachhaltiger Umgang mit Ressourcen oft zu einer Fokussierung auf die Dinge führt, die wirklich wichtig sind. Die Autoren betonen ebenfalls:
Web sustainability addresses more than just environmental issues [VARIABLES]; intersectional issues such as accessibility, privacy, and security can impact the sustainability of a project.
Die Guidelines behandeln unter anderem:
- Hosting & Infrastruktur: Nachhaltige Host-Provider wählen; Caching, Kompression, CDN sinnvoll einsetzen (! besonders viel Impact hier).
- UX / Nutzerführung: Minimiere unnötige Inhalte, Interaktionen, Schritte.
- Design & Assets, Nutze dekorative Elemente nur, wenn sie einen Mehrwert bringen. Assets (Bilder, Animationen) optimieren.
- Navigation & Architektur: Struktur und Navigationswege klar und effizient gestalten.
- Code & Entwicklung: Nicht notwendigen Code entfernen; lazy loading einsetzen; Redundanzen vermeiden.
- Business-Strategie: Nachhaltigkeitsziele definieren, Rollen zuweisen, Impact transparent machen.
- Messen & Auditieren: Negative Faktoren identifizieren & offenlegen; regelmäßige Tests & Messungen einplanen.
- Vermeidung von Manipulation: Dark Patterns, invasive Werbung, unnötiges Tracking entfernen.
- Wiederverwendbarkeit & Dokumentation: Komponenten, Interfaces und Assets dokumentieren und modular gestalten.
Alle diese Punkte helfen nicht nur der Umwelt, sondern entlasten User von kognitivem Aufwand (und verbessern damit Conversion) und reduzieren Prozess-Overhead im Unternehmen.
Jono Alderson hatte neulich ein schönes Bild dazu: Wenn wir es noch nicht mal schaffen, Webseiten schnell zu machen, obwohl der positive Business-Impact immer wieder bewiesen und unstrittig ist und die Maßnahmen auf der Hand liegen, wie wollen wir dann in einer AI-Welt bestehen, die Agilität und Umsetzung unter Unsicherheit von uns verlangt.
Vielleicht ist das Durcharbeiten und Umsetzen dieser Guidelines also ein Weg AI-Readiness herzustellen?
Ich werde hier auf jeden Fall noch mal tiefer eintauchen.