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Google, Apple und Meta mögen den Digital Markets Act nicht.

Die großen Digitalkonzerne mögen ein EU-Gesetz nicht, dessen Zweck es ist, die Macht großer Digitalkonzerne auf dem europäischen Markt zu beschränken?

Nein... Doch... OHH!

Die Taktiken, die nun dagegen angewendet werden, fasse ich auch als DMA zusammen: Drängeln, Murren, Angst machen.

The DMA should be repealed while a more appropriate fit for purpose legislative instrument is put in place, [...]

Drängelt Apple

It’s caused us to delay some new features in the EU.

Murrt Apple

  A recent study on the economic impact of the DMA estimates that European businesses across sectors could face revenue losses of up to €114 billion.

Macht Google Angst

Falls Dir das zu viel Business-Englisch war, frei übersetzt heißt das: "Mimimi". Ich maße mir nicht an, die Ökonomie des Internets umfänglich zu verstehen, aber mir drängt sich das Sprichwort "getroffene Hunde bellen" auf.

In Apples Fall war der Treffer wohl die Entscheidung der EU-Kommission, keine Ausnahme für Apple zu machen und Meta hat sich vor ein paar Wochen auch schon am DMA abgearbeitet.

Während Apple droht, nicht mehr in die EU zu liefern, hat Google schon vor ein paar Wochen die Weichen gestellt, dass sie, auch wenn sie Konkurrenz zum PlayStore erlauben, weiter kontrollieren können, wer Android Apps anbietet… Mal sehen, wie das langfristig gewertet wird.

Aber nicht nur von den Konzernen selbst, das Thema wurde auch beispielsweise bei heise oder LTO aufgegriffen.

Ein anonymer Autor vom Börse Express, dem “führenden Finanzportal" (sagen sie zumindest ganz bescheiden von sich selbst, ich hab vorher noch nie was von denen gehört) hat sogar dieses tendenziöse Stück Agitprop (nicht vergessen, Verlinkung immer mit passenden Keywords im Ankertext 🧐) verfasst.

Wenn ich die dafür bezahlt hätte, ich würde ja mein Geld zurück verlangen:

Sechs Absätze lang wird fleißig argumentiert, dass nur die offiziellen App-Stores sicher seien und alles andere voller Malware und Viren. Der böse DMA verhindere, dass die edlen Betreiber von AppStore und PlayStore ihre User vor der Dunkelheit schützen könnten und dann... reißt der unbekannte Autor die so sorgsam aus dem Zusammenhang gerissene Argumentationskette wieder mit dem Arsch ein und schreibt:

Selbst in offiziellen App-Stores tauchen mittlerweile schädliche Programme auf.

Gefolgt von einer Anzeige, die dem Leser bzw. Leserin versucht, irgendwelche dubiosen Android-Sicherheitstipps anzudrehen.

Platte Propaganda ist ja schon schlimm genug, aber die eigenen Argumente widerlegende Propaganda regt mich wirklich auf!

Aber genug der Medienkompetenzschulung. Warum haben Google, Meta und Apple Grund, so heftig gegen den DMA zu pöbeln?

Die großen Tech-Konzerne haben alle eine Gemeinsamkeit. Sie sind Gatekeeper.

Zum Gatekeeper wird ein Konzern, indem er sein Geschäftsmodell (erfolgreich) auf einem Lock-In-Effekt basiert – Dunning-Kruger-Disclaimer: Das ist meine vereinfachte Laien-Definition, (ich glaube, das trifft den Kern ganz gut, aber vielleicht sieht das auch nur von Mount Stupid aus so aus…) – und die Maßnahmen des DMA zielen darauf ab, genau diesen den Lock-In-Effekt auszuhebeln. Das ist natürlich schlecht fürs Geschäft und entsprechend unglücklich sind die Gatekeeper darüber. Vielleicht habe ich zuviel von Cory Doctorow gelesen, aber ich glaube eher nicht, dass es unserer Gesellschaft schadet, den Prozess der Enshittification zu bekämpfen. Im Gegenteil!

Abgesehen davon ist für uns Online-Marketing-Menschen das Thema DMA auf jeden Fall auch beruflich hochspannend. Was Google zur Einführung des DMA in den SERPs umgesetzt hat, hat Johannes Beus damals direkt analysiert. Das ist aber nicht in Stein gemeißelt und kann durch politische und juristische Entscheidungen beeinflusst werden.

Dazu kommt, dass nicht nur die Suche betroffen ist, sondern dass Google, Meta und Co auf diversen Ebenen in die Regelungen des DMA fallen:

Grafik der Europäischen Kommission mit dem Titel ‚Gatekeeper Designations‘. Links sind die als Gatekeeper bezeichneten Unternehmen aufgelistet: Alphabet, Amazon, Apple, Booking, ByteDance, Meta, Microsoft. Rechts sind Kategorien von Kernplattformdiensten (Core Platform Service) dargestellt, verteilt auf Spalten mit Unterüberschriften wie Social Network (TikTok, Facebook, Instagram, LinkedIn), Intermediation (Google Maps, Google Play, Google Shopping, Amazon Marketplace, App Store, Booking.com), Ads (Google, Amazon, Meta), Browser (Chrome, Safari), Operating System (Google Android, iOS, iPadOS, Windows PC OS), N-IICS (WhatsApp, Messenger) und Video Sharing (YouTube) sowie Search (Google Search). Quelle

Neben der organischen Google Suche (inklusive Maps und Shopping) sind auch

  • Google Ads
  • Meta Ads
  • Amazon
  • die sozialen Netzwerke von TikTok bis LinkedIn
  • und sogar WhatsApp

designierte Gatekeeper. Und wenn es nach europäischen Cloudanbietern geht, gehören Google Cloud, Microsoft Azure und AWS auch bald dazu. Der DMA hat also potenziell direkten Einfluss auf so ziemlich alle Deine Online Marketing Aktivitäten.

Abgesehen von den Vorteilen für unsere Gesellschaft und den Einfluss aufs Online Marketing, hoffe ich auch ganz persönlich auf den Digital Markets Act. Ich erinnere mich an Zeiten, als ich Miranda auf dem Rechner hatte und es mir egal sein konnte, ob meine Freunde mit mir über ICQ, MSN-Messenger oder IRC chatteten. Heute sitze ich da mit einem halben Dutzend Messenger Apps und muss mir Metas illegalen Tracking-Methoden gefallen lassen, weil zu viele andere auf WhatsApp als Kommunikationskanal festgelegt sind. Wenn der DMA durchgesetzt wird, kommen diese guten alten Zeiten vielleicht wieder. Jetzt darf die EU nur nicht einknicken, sondern muss das einfach mal durchziehen.

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