Der nahende Sunset von Universal Analytics schwebte natürlich wie eine dunkle Gewitterwolke über allen Webanalyse-Sessions der Campixx 2023. Joachim Nickel von Chop Solutions hat sich den Vergleich zwischen Google Analytics 4 und der Open-Source Tracking Lösung Matomo zur Brust genommen.
Ich wusste schon vorher, dass Joachim ein kompromissloser Verfechter von Matomo ist. Insofern war es nicht überraschend, dass GA4 in seiner Session keinen Blumentopf gewonnen hat. Auch wenn die Wertung recht einseitig ausgefallen ist, war es eine schöne, informative Webanalyse-Analyse.
Besonders schön fand ich die Teebeutel-Metapher (Analogie?) für Webanalyse: Die aggregierten Daten für die Reichweitenmessung sind datenschutzrechtlich ja eher unproblematisch. Um diese zu erhalten, brauchen wir aber Rohdaten. Die Rohdaten müssen gesammelt werden und dann müssen wir sie wie einen Teebeutel in der Daten-Aggregation "ziehen lassen". Wenn die Analyse dann fertig ist, muss man den Teebeutel dann aber auch entsorgen. Den Tee können wir so unbesorgt trinken.
Aus meiner Sicht funktioniert die Metapher bis dahin hervorragend. Wenn Google dann aber anfängt, mit dem Rohdaten-Beutel aus dem Biomüll seine Ads-Blumenwiese zu düngen, klingt das nach einer Form von Recycling, die von DSGVO und Co. so nicht unterstützt wird (Stichwort "Purpose Limitation").
Abgesehen davon hat Joachim gezeigt, dass er Matomo-Spezialist ist und einige spannende Punkte aufgeworfen hat. Falls Du über Matomo nachdenkst, habe ich noch folgende kuratierten Takeaways für Dich:
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Matomo ist First Party und Open Source. Mehr Datenschutz geht nicht.
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Ein großer Schmerz beim Umstieg von UA auf GA4 ist der Verlust von historischen Daten. Im Gegensatz zu dem eigentlichen Nachfolger kann Matomo historische Universal Analytics Daten importieren (An Joachims Stelle hätte ich an dieser Stelle in der Punktewertung des Vortrags nicht nur Matomo Punkte zugeschlagen, sondern GA4 auch Punkte abgezogen).
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Falls man mehr als nur Reichweitenmessung möchte, können in Matomo erfasste Conversions via Offline-Conversions auch an Google Ads übertragen werden.
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Joachim ist außerdem dabei, Daten für die Erkennung von Impersonator-Bots und Ähnlichem zu sammeln, um diese aus der Reichweitenmessung auszuschließen. Das wird bald als kostenloses Plugin im Matomo-Ökosystem verfügbar sein. Ich bin begeistert und sinniere schon über ähnliche Möglichkeiten für ein Serverside Tag Management.
Alles in allem ist Matomo eine interessante Alternative, die man auf dem Schirm haben sollte, wenn es um den Wechsel der Webanalyse-Lösung geht. Das große Kontra-Argument zu Matomo war aus meiner Sicht bislang die Auswertungsoberfläche. Diese ist im Vergleich zu Universal Analytics geradezu unbedienbar und es ist sehr aufwändig, die gewünschten Informationen aus den Daten zu ziehen. Aber genau dieses Kontra-Argument gilt auch für GA4... Wenn Du noch nicht weißt, wie es für Deine Webanalyse nach dem Sunset von Universal Analytics weitergeht, dann melde Dich gerne bei mir ;)