- ChatGPT entfernte letzte Woche kurzzeitig UTM-Parameter und Referrer-Informationen von Quellenlinks, was die Traffic-Attribution erheblich erschwerte.
- Wir haben analysiert, dass es sich dabei um einen technischen Bug im "Intelligent UI" handelte, der die Link-Parameter beeinflusste, und nicht um eine bewusste Strategie von OpenAI.
- Meine anfängliche Sorge, dass es sich um eine bewusste Strategie zur Traffic-Verschleierung handeln könnte, wurde widerlegt; Hanlon's Razor bestätigte, dass es Inkompetenz statt einer hintertriebenen Attributions-Manipulation war.
- Auch Google Gemini zeigte in der Vergangenheit ähnliche, ungeplante Inkonsistenzen bei der Nutzung von UTM-Parametern, was die These untermauert, dass solche Vorkommnisse oft Versehen sind.
- Glaube keinem "GEO-Ganoven", der behauptet, Dein Direct-Traffic sei heimlich AI-Traffic, denn Direct-Traffic ist ein Sammelbegriff für Besuche ohne nachvollziehbare Herkunft und nicht zuordenbar.
- Und bedenke immer, das Attribution immer nur die Messung dessen ist, was die Webanalyse auch erfassen kann.
It was a Bug, not a Feature
Letzte Woche gabs kurz Wellen, als ChatGPT ein kleines UTM-Upsi hatte. Am 08.10.2026 hat das ChatGPT-Interface für fast alle Quellenlinks sowohl die UTM-Parameter entfernt, als auch Referrer unterdrückt. Am 15.10.2026 hat OpenAI den Bug repariert und hängt wieder UTM-Parameter an die Links. (In weiser Voraussicht war ich spät dran mit diesem Artikel und hatte bis dahin nur grobe Stichpunkte und musste diesen Artikel nicht komplett neu schreiben)
Was ist geschehen
Tjoa, OpenAI hat UTM-Parameter und Referrer-Informationen für Einstiege aus ChatGPT entfernt. Cedric Huesler von Adobe hat darüber auf Linkedin berichtet. Bonuspunkte bekommt er dafür, dass er aus der Analyse gleich unterschiedliche Blickwinkel für seine Linkedin-Marketing-Strategie aufgegriffen, in verschiedene Posts aufgeteilt und alle nach dem Bugfix aktualisiert hat:
- Letzter Post zum Bugfix
- InitialerPost: Abgleich Visits Von ChatGPT mit ChatGPT-Crawler/Bot-Zugriffen
- Kurzer "wo ist mein ChatGPT-Traffic hin"-Aufklärer inkl. Kommentar, dass der Bug nicht für in Shopping-Links galt
- Vorher-/Nachher-Vergleich des ChatGPT-Referrer-Traffic zum Rollout von GPT-6
Punktabzug für den Bezug auf das GPT-6-Rollout. Der Modell-Rollout selber passt zwar zeitlich, aber Josh Blyskal von Profound zeigt eine Korrelation zum Rollout des neuen "Intelligent UI" von OpenAI auf. Das passt auch besser zu dem, was Thomas Czernik im HTML gesehen hat. Die Linkparameter über das UI zu verwalten und nicht vom Modell einbauen zu lassen, macht irgendwie auch architektonisch mehr Sinn, finde ich.
UTM-Upsi statt abgekartete Attributions-Augenwischerei
Ich habe es OpenAI durchaus zugetraut, dass dort beim Vibecoden niemandem aufgefallen ist, dass irgendein Coding-Agent die Attribution aus der Verlinkung entfernt hat.
Dass niemand vor dem Rollout geprüft hat, ob sie die Links noch korrekt ausspielen, ist schon ein bisschen peinlich, aber wer noch nie die Marketing-Parameter an einem Link vergeigt hat, der werfe den ersten Stein.
Aber bis zum Bugfix verspürte ich eine Restunsicherheit, ob es möglicherweise Absicht war. Unter meinem kleinen Aluhut habe ich OpenAI eine bewusste Entscheidung zugetraut, um das Tracking des Traffics, der aus ChatGPT kommt, zu erschweren. Es wäre doch eine prima Verschwörungstheorie gewesen, dass OpenAI den kärglichen Traffic, der von Chatbots auf genannte Quellen fließt, verschleiern will, um GEO-Gaunern Glaubhaftigkeit für ihre halbseidenen Theorien zu liefern. Fragwürdige LinkedIn-GEO-Gurus (die ich hier nicht mit einer Verlinkung legitimieren möchte), die postulieren, dass Direct-Traffic eigentlich AI-Traffic wäre und den am liebsten (wenigstens anteilig) nehmen wollen, um Traffic- und Conversion-Zahlen für GEO künstlich aufzublähen.
Was genau OpenAI selbst davon hätte, ist dann der Teil der Verschwörungstheorie, der etwas schwammig wird. Ohne mehrlagigen Aluhut wird man schnell stutzig.
Den basteln wir jetzt nicht. Um nach dem Bugfix zu erklären, warum Ein- und Ausschalten der Attribution Absicht sein soll, bräuchte man jetzt schon einen Premium-Aluhut mit doppelt entstörtem Logik-Filter und Orgon-Akkumulator für eine optimierte Faktenausleitung.
Die Realität ist einfacher und gibt Hanlon's Razor mal wieder Recht: Es war Inkompetenz und kein hintertriebenes Attributions-Hütchenspiel von OpenAI.
Geminis ungeplante UTM-Unstetigkeit
Funfact: Im September hat Gemini übrigens das Gegenteil gemacht und für ein paar Tage UTM-Parameter verwendet, aber dann wieder ausgebaut. Dieser Artikel vom SEJ vom 1.10 hatte das Verschwinden der Parameter noch nicht bemerkt. Aber Cedric Huesler hat auch Geminis UTM-Parameter für seine LinkedIn-Analyse im Blick.
Auch Google scheint hier keine planvolle Strategie zu verfolgen. Oder zumindest keine, in die John Mu eingeweiht ist (falls Dir der Name noch nix sagt, John Mueller ist Search Advocate von Google).
Auf Reddit kommentierte John:
Nice. I see it too. Doesn’t Gemini have a referrer too though? I thought you could already track them.
und auf Cedric Hueslers LinkedIn-Auswertung:
Thanks! So basically there's likely a place where the referrer gets lost? Is tagging + referrer generally more useful for you here?
Vielleicht ist aber Google die Traffic-Menge, die über Gemini kommt, weiterhin zu gering, um sie einfacher messbar machen zu wollen. Mal gucken, ob John Mu es schafft, die UTM-Parameter dauerhaft in Gemini zurückzubekommen.
So oder so sind diese UTM-Unbedachtheiten von Google und OpenAI eine wichtige Erinnerung daran, dass nur, weil ein riesiger internationaler Konzern etwas tut, es nicht zwingend eine strategisch geplante Unternehmensentscheidung ist – manchmal ist es ein Versehen.
Direct is not secretly AI
Direct-Traffic ist der Eimer, in den die Webanalyse-Tools alles schmeißen, wo jegliche Quelleninformation fehlt. Direct sind Direkteingaben von URLs in den Browser, aber es sind auch alle Webseitenbesuche, bei denen Tracking-Parameter und Referrer-Informationen aus irgendwelchen Gründen verloren gegangen sind.
Das enthält natürlich auch Traffic von ChatGPT, Gemini und Co. Aber auch von allen anderen Kanälen und es ist nicht nachvollziehbar, wie viel Direct-Traffic von welcher Quelle war, da der Traffic ja nur in Direct auftaucht, wenn das nicht möglich ist.
Falls aber irgendein gewissenloser GEO-Ganove Dir erzählen will, dass der Direct-Traffic eigentlich ja alles "AI" sei, dann frag den doch mal nach der Datengrundlage. Denn eine valide Datengrundlage wird er Dir nicht liefern können.
Für manche Marketing-Maßnahmen wie Fernseh-Spots und Ähnliches, kann man über die zeitliche Korrelation abschätzen, wie viel Direct-Traffic ungefähr auf diese Maßnahme zurückzuführen ist. Aber, da GEO-Maßnahmen naturgemäß indirekt wirken und daher selten zu scharf abgegrenzten Zeiträumen wirken, kannst Du solche zeitlichen Korrelationen in ihrer Genauigkeit für die Attribution von Traffic irgendwo zwischen Tarot-Karten und Kaffeesatzlesen einordnen.
Gründliche GEO-Genies (gegensätzlich zu gerade genannten großspurigen geldgierigen GEO-Ganoven) können unter günstigen Umständen durch weitere Datenpunkte solche Schätzungen validieren und kommen vom Niveau der Wahrsagerei hoch in den Bereich des "Educated Guess". Aber dazu braucht es aufwändige Analysen, die auch nicht einfach pauschalisiert werden können.
Direct Traffic bleibt ein Ratespiel.