In letzter Zeit kommen ja immer mehr Studien und Analysen ans Licht, die ein bisschen Licht ins Dunkel bringen, wie Large Language Models (LLMs) eigentlich funktionieren (passend hierzu auch mein Newsletter-Artikel, in dem wir einen Blick in das Getriebe von ChatGPT geworfen haben).
Und heute setzen wir diese Serie direkt einmal fort. Mit den Erkenntnissen einer Analyse von AirOps, in der sie über 21.000 Marken-Nennungen in ChatGPT, Claude und Perplexity analysierten.
Kritische Einordnung vorweg
Wenn man genau hinschaut, fällt einem bei der Studie allerdings ein methodisches Manko auf, wie auch Benjamin O’Daniel in seinem LinkedIn-Post treffend beschrieben hat, denn: Sie betrachtet nur Einzelprompts und damit Momentaufnahmen. In der Realität – und das ist ja gerade der Reiz an LLMs – führt man mit KI-Systemen allerdings eher Gespräche.
Bei fortlaufenden Prompts verändert sich die Quellenlage wiederum deutlich und Marken-Websites tauchen in späteren Antworten häufiger auf. Das relativiert die Aussagekraft der Studie um einiges, weil die tatsächliche Quellen-Landschaft dynamisch und promptabhängig ist.
Kaum “Hausbesuche” von LLMs
Laut Studie stammen rund 85% aller Markenerwähnungen in KI-Suchen von externen Domains und nicht von der eigenen. Autsch!
Eigene Inhalte bleiben trotzdem eine wichtige Grundlage. Logisch, denn sie liefern gewissermaßen die Fakten, auf denen externe Quellen aufbauen. Und generative Modelle greifen ja ohnehin häufig auf neutrale, kontextreiche Quellen zurück, während Produkt- oder Unternehmensseiten eher zu kurz kommen. Trotzdem machen eigene Inhalte nur etwa 13 Prozent aller Erwähnungen aus, was, ehrlicherweise, doch recht überschaubar ist:
Produktseiten kommen dabei mit fast 20% und die Homepage mit etwas mehr als sieben Prozent noch einigermaßen gut weg. Aber abseits davon schauen LLMs dann doch lieber bei externen Quellen vorbei. Insbesondere bei Listicles, Vergleichen, Reviews und allem, was das Wort “beste” beinhaltet.
Wer schaut noch am ehesten vorbei?
Interessant ist dabei natürlich auch immer der Vergleich zwischen den Modellen. Auch das hat man sich in der Analyse genauer angeschaut und ist dabei zu folgendem Ergebnis gekommen:
- Claude Sonnet 4.5 und Perplexity Sonar schauen noch am ehesten auf Deiner Website vorbei. Obwohl das mit höchstens 20% auch eine recht überschaubare Nummer bleibt.
- GPT-5 liegt mit vier bis elf Prozent, aber noch darunter.
Insgesamt als eher eine laue Nummer, ganz gleich, welches LLM man sich genauer ansieht.
Abschließende Worte
Bleibt noch die Frage, wie wir das (unabhängig von der kritischen Einordnung der Studie) einordnen wollen müssen? Nun, im Grunde heißt es, dass KI-Sichtbarkeit aktuell stark davon abhängt, wie oft und wie positiv Du außerhalb Deiner eigenen Website erwähnt wirst.
Für SEOs ist das zunächst einmal nervig, weil die eigene Sichtbarkeit und Reputation vom OffPage-Bereich abhängen, den man wieder nur begrenzt beeinflussen kann. Linkbuilding 2.0, wenn man so will. Aber in einem erweiterten Sinne. Im Zentrum steht dabei nicht mehr nur der Backlink an sich, sondern noch viel mehr der Kontext, in dem dieser Link steht.
Wenn auf einer Drittseite negativ über Dein Unternehmen, Produkt oder Deine Dienstleistung gesprochen wird, kann genau das im Output eines LLMs landen und damit direkt Dein Markenimage beeinflussen… Nicht schön, aber wat willste machen? Bleibt wohl nur die Hoffnung, dass KI-Systeme (weiter) “schlauer” darin werden, sich eine eigene Meinung zu bilden, statt sich primär auf externe Quellen zu stützen.
Wie das aussehen wird… We will see…
Prinzipiell ist das ja aber nichts Neues. Zumindest dann, wenn man SEO schon immer als Teil eines ganzheitlichen Online Marketings verstanden hat. Insofern könnte man sagen: Wir erleben hier weniger eine Revolution als vielmehr ein Revival alter Prinzipien oder, um im Halloween-Bild zu bleiben, vielleicht auch einfach die Rückkehr einiger alter Geister.
Passend dazu hat Darius im folgenden Artikel genau diese Perspektive aufgegriffen und beleuchtet, warum die aktuelle „GEO-Welle“ womöglich mehr alter Wein in neuen Schläuchen ist als vielen lieb ist. Definitiv einen Blick wert!