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Ein gutes Geschäftsmodell hat einen Burggraben, der unsere Marktanteile vor den Angriffen unserer Konkurrenten schützt. Patente, Netzwerkeffekte, eine starke Marke, gute Preise, hohe Umstellungskosten oder andere Faktoren sorgen dafür, dass unsere Umsätze davor geschützt sind, von Marktbegleitern abgeschöpft zu werden.

Am besten ist dieser Burggraben natürlich kein seichtes Rinnsal aus Werbeversprechen, sondern ein tiefer Festungsgraben aus echten Wettbewerbsvorteilen, flankiert von einem System wirksamer ökonomischer Verteidigungsanlagen. Wir wollen schließlich nicht, dass unsere lieben Marktbegleiter einfach mit einem halbherzigen Hüpfer in unsere Burg spazieren und sich unsere Marktanteile und Umsätze aus der Schatzkammer abgreifen.

Mit LLMs hat vor ein paar Jahren nun eine neue Generation von Belagerungsgeräten das Schlachtfeld unserer Marktwirtschaft betreten.

So mancher Burggraben könnte von AI-Tools heute einfach zugeschaufelt werden. Auf LinkedIn wird sogar schon der Untergang der gesamten SaaS-Branche befürchtet...

Ich glaube nicht, dass Salesforce, SAP, Slack und Co. in akuter Gefahr sind. Der Lock-in-Burggraben ist doch recht tief und die Produkte sind komplex genug (und Bugs fatal genug), dass kaum ein Unternehmen mal eben auf den im Vibecoding-Keller vom Praktikanten zusammengedübelten AI-Workflow umsteigt.

Wenn aber Dein Burggraben beispielsweise auf einem Lock-in-Effekt beruht, weil Nutzer mit ihrem Account bei Dir eine Historie aufgebaut haben, dann ist es für Konkurrenten vielleicht plötzlich ein Kinderspiel, Adversarial Interoperability herzustellen und sie können mit einem schnell gemachten Import-Skript Deinen Kunden eine Brücke über den Burggraben bauen.

So wie es Google und Anthropic gerade machen, indem sie eine Importfunktion für die Chat-Historien bei Gemini und Claude anbieten, um Menschen, die sich von OpenAIs Beliebigkeit in Fragen der Kooperation mit dem amerikanischen Kriegsministerium abwenden, den Umstieg zu erleichtern.

Adversarial Interoperability ging natürlich schon vor LLMs. Facebook hat das beispielsweise damals™️ für MySpace-Nutzer ähnlich gemacht. Ich vermute jedoch, dass die Risikofreude Deiner Konkurrenz, einen vibecodeten Import-Helfer gegen Lock-in-Effekte einzusetzen, größer ist als beim Umstieg von SAP auf ein selbst gebautes ERP.

Auch Dein eigener KI-Einsatz kann zum Problem werden

Aber nicht nur der AI-Einsatz der Konkurrenz kann Deinen Burggraben schwächen. Selbst Deine eigene KI-Nutzung kann Deine ökonomische Verteidigung von innen heraus schwächen.

Offensichtlich ist, dass KI-Texte Deinen Geschäftserfolg gefährden können, wenn überdurchschnittliche Content-Qualität Teil Deines Burggrabens ist. Denn naturgemäß tendiert LLM-Content zum Mittelmaß. Kommentar von Saskia dazu:

“AI-Slop gehört ins Plumpsklo und nicht in den Burggraben.”

Aber dieses Mehl haben wir schon fein genug durch unsere Gebetsmühle gemahlen. Es gibt neben AI-Slop noch andere Gefahrenquellen.

Folgender Denkanstoß, wenn Intellectual Property, Urheberrecht oder Copyright zentrale Bestandteile Deines Verteidigungsbollwerks sind:

Wenn Inhalte oder Software zunehmend mit KI erzeugt werden, kann Deine Copyright-Wall brüchig werden; für rein KI-generierte Inhalte besteht in vielen Fällen kein Urheberrechtsschutz.

Gerade hat der Supreme Court der USA wieder einmal bestätigt, dass computergenerierte Inhalte keinen Urheberrechtsschutz genießen. Auch hierzulande ist die Rechtslage ähnlich:

“Geschützte Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes sind nur persönliche geistige Schöpfungen eines Menschen. Rein KI-basierte Inhalte genießen daher keinen urheberrechtlichen Schutz, [...]”

sagt das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV).

Wäre ja schon schade, wenn Inhalte, die Dein Geschäft tragen, plötzlich gar nicht mehr schützbar sind.

Und es lohnt sich auch zu bedenken, dass dies im Zweifel nicht nur für Texte und Bilder oder Videos gilt. Was ist beispielsweise mit durch KI-Agenten gebautem Code?

Ab wie viel menschlichem Zutun hast Du Urheberrechte an Deinem KI-Agenten? Solche Fragen werden vermutlich in den nächsten Jahren das ein oder andere Gericht beschäftigen.

Behalte also besser die rechtlichen Implikationen Deines KI-Einsatzes im Blick, damit kein Gerichtsentscheid Deinen Burggraben versehentlich trockenlegt.

Manchmal ist es vielleicht auch nicht falsch, sich auf gute alte Handarbeit zu besinnen. Das kann ein Alleinstellungsmerkmal sein, das Deiner Konkurrenz schwer fällt zu imitieren. Wirklich konsequent umgesetzt, könntest Du vielleicht sogar EU-Mittel bekommen 😉.

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