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Consultant

Abkürzungen sind toll, weil sie uns das Leben einfacher machen. Wie gut ist es, dass wir einfach SEO sagen können, statt jedes Mal Search Engine Optimization oder Suchmaschinenoptimierung vollständig aussprechen zu müssen? Klar, wenn es zu viele werden, dann wird es schwer zuzuhören oder es wird ein ganzer Song draus.

Der Nachteil an Abkürzungen ist, dass unser Alphabet und damit dessen Kombinierungsmöglichkeiten begrenzt sind. Es ist also eigentlich unvermeidbar, dass irgendwann die gleichen Abkürzungen mehrfach verwendet werden. So auch bei unserem Keyword der Woche: DDR.

Die Begriffserklärung von Wikipedia listet dreizehn Punkte, wofür "DDR" stehen kann. Selbst wenn wir überraschendere Einträge, wie eine norwegische Band mit deutschem Gesang oder die grönländische Band Disko Democratic Republic raus nehmen, sind das immer noch ziemlich viele. Aus meiner subjektiven Perspektive hätte ich gesagt, dass folgende die bekanntesten Begriffe sind:

  • Deutsche Demokratische Republik

  • DDR-RAM (oder auch DDR-SDRAM für Double Data Rate Synchronous Dynamic Random Access Memory)

  • Dance Dance Revolution (Ein Videospiel, am bekanntesten eventuell durch das Arcade-Gerät, bei dem man auf die richtigen Pfeile treten muss)

Etwas objektiver stelle ich fest, dass zwischen diesen Begriffen trotz der gleichen Abkürzung ein sehr weiter Bedeutungsunterschied klafft. Als SEO entsteht daher direkt der Verdacht, dass auch die Suchnachfrage sehr unterschiedlich sein wird. Schauen wir doch mal nach, wie Suchvolumen per Google Ads aussieht:

Tabelle mit den durchschnittlichen Suchvolumina der letzten 12 Monate für die Begriffe "DDR", "Deutsche Demokratische Republik",  "Dance Dance Revolution" und "DDR RAM". Die ersten drei haben jeweils das gleiche durchschnittliche Suchvolumen von 90500. "DDR RAM" hat dagegen eines von 1300.

Das ist aber ein Zufall! Nicht nur wird "DDR", "Deutsche Demokratische Republik" und "Dance Dance Revolution" im Schnitt das gleiche Suchvolumen beigemessen – der saisonale Verlauf (siehe folgenden Graph) ist auch identisch. Lediglich "DDR-RAM" weicht ab.

Liniendiagramm über das Suchvolumen in den letzten 12 Monate für die Begriffe "DDR", "Deutsche Demokratische Republik", "Dance Dance Revolution" und "DDR RAM". Die drei erstgenannten haben einen exakt identischen Verlauf.

Als seriöser Newsletter-Redakteur möchte ich das besser mit einer zweiten Quelle prüfen. Sehen wir mal, was Sistrix dazu sagt:

Eine Liste aus der Sistrix-Toolbox, die das durchschnittliche Suchvolumen der vier Begriffe in Deutschland angibt. "DDR" hat ein SV von 53800, "deutsche demokratische Republik" hat 9350, "ddr ram" hat 1050 und "dance dance revolution" hat 100.

Die allgemeine Diskrepanz der Werte außen vor – ist das immer noch ein drastisch anderes Bild. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann sähe es so aus, als würde von der Ads API einfach die gleichen Werte ausgegeben werden. Da ich die Google-Systeme nicht von innen kenne, weiß ich es tatsächlich auch nicht besser.

Es wird aber deutlich, dass Google diese Begriffe im Keyword Planner zusammengelegt hat. Es gab wohl nicht 90.500 Suchen nach "DRR" und 90.500 Suchen nach "Deutsche Demokratische Republik" und 90.500 Suchen nach "Dance Dance Revolution", sondern 90.500 Suchen insgesamt. Der Großteil davon wahrscheinlich für die Abkürzung "DDR", was auch immer der Nutzer damit meinte...

Für gewöhnlich würden wir Duplikate in einer Themenrecherche nicht mitzählen. Hier würden wir es anders handhaben. Wenn wir die Nachfrage nach "Dance Dance Revolution" ermitteln wollen, hätten wir mit Google alleine keinen Anhaltspunkt, wie viele derjenigen, die "DDR" eingegeben haben, sich potentiell für das Videospiel interessieren. Blöd auch, dass man erst darüber stolpern muss.

Eine weitere Komplexitätsebene gewinnt das Thema, wenn wir uns international bewegen. Es ist zwar zu erwarten, dass die Suchvolumen für Abkürzungen anders sind. Aber es gibt ja auch schlichtweg ganz andere Abkürzungen. So hieße die DDR im Englischen GDR (German Democratic Republic), was sich allerdings mit der georgischen Republik doppelt. Deswegen ist vermutlich auch oft einfach von "East Germany" die Rede. Auf Französisch wäre es die RDA (République démocratique allemande), was sich aber die Abkürzung mit Aserbaidschan und Afghanistan teilt.

Damit es auch nicht langweilig wird, ändern sich die SERPs aber auch mit deinem globalen Standort. In Korea etwa sehen wir das Knowledge Panel für SSD-Ram und auch Ergebnisse für das Videospiel.

Google-Suchergebnisseite für das Keyword "ddr" mit VPN-Zugriff aus Südkorea. Zu sehen ist ein Knowledge-Panel zum DDR-RAM sowie organische Rankings dazu. An der vierten Position außerdem ein Ranking zu Dance Dance Revolution.

In den Vereinigten Staaten erhalten wir zwar das Knowledge Panel zur DDR, das erste organische Ranking ist aber der Wikipedia-Artikel zu Dance Dance Revolution!

Google-Suchergebnisseite für das Keyword "ddr" mit VPN-Zugriff aus den USA. Zu sehen ist ein Knowledge-Panel zur Deutschen Demokratischen Republik. Auf der ersten organischen Position sieht man den Wikipedia-Artikel zu Dance Dance Revolution.

Mit einer Suche aus Deutschland heraus sind die Ergebnisse klar auf die DDR (Also "der östliche, realsozialistische der beiden nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffenen deutschen Staaten", ups falscher Link, ich meinte natürlich die hier ;) ) zugeschnitten.

Google-Suchergebnisseite für das Keyword "ddr" mit Zugriff aus Deutschland. Zu sehen ist ein Knowledge-Panel zur Deutschen Demokratischen Republik. Der erste Link ist ein Ergebnis zum passenden Wikipedia-Artikel mit mehreren Sitelinks.

Wir halten fest: Abkürzungen sind eine tolle Sache, aber ein weiterer Stolperstein für uns SEOs, wenn es um die Themenrecherche geht. Bei einer Mehrdeutigkeit solltest Du gerade im Short Head hinterfragen, wie viel Nachfrage am Ende auch tatsächlich Dein Produkt oder Deine Dienstleistung betrifft.

Generell ist es natürlich gute Praxis, seine Daten auch nochmal anzuschauen, bevor man sie weitergibt. Aber gerade hier würde ich behaupten: Es lohnt sich ein zweiter Blick. ;)

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