Reden wir zu viel über AI? Ein erstes Indiz könnte diese Newsletter-Ausgabe sein ;) Ein weiteres Indiz könnten die Vorträge auf den einschlägigen Konferenzen sein.
Letzte Woche durfte ich als Teil der Wingmen-Delegation am OMT-Summit in Düsseldorf teilnehmen. Grüße gehen raus an Mario und das OMT-Team, die 2 Tage Dauerfeuer für die Synapsen angekündigt hatten. Für mein Dafürhalten hat der Summit das geliefert, allein schon wegen des lückenlosen Formats. Wenn Du mit dem Gedanken spielst, die Konferenz in Deinen Kalender aufzunehmen, ist Deine Einstellung dazu aus meiner Sicht eine der Hauptfragen, die Du Dir stellen musst.
Denn 45-Minuten-Sessions von 9-18 Uhr ohne größere Pausen abseits der 15 Minuten zwischen den Sessions sind schon ein Brett. Durch die hohe Dichte an Vorträgen ist auch eine hohe Bandbreite an Themen und Schwerpunkten möglich. Hier kommt meine Beobachtung zum diesjährigen OMT-Summit ins Spiel. Ich bin gespannt, wie sich das Ganze bei anderen Konferenzen in diesem Jahr verhält.
Im letzten Jahr war es ja bereits der Running Gag: Schreib einfach ‘AI’ in Deinen Titel und die Bude ist voll. Das ging so weit, bis der Überdruss einsetzte und es hervorhebenswert war, wenn ein Vortrag sich nicht mit AI, KI-Suche, LLMs oder deren Einfluss auf unsere Berufspraxis beschäftigte. Kurze Meldung von der Wasserkante: Das Thema ist definitiv geblieben. Faszinierend fand ich, wie viele Blickwinkel man auf das vermeintlich gleiche Thema werfen kann. Wenn wir uns nur eine Auswahl der Vortragstitel ansehen:
- Zukunft E-Commerce: Wie KI das Such- und Kaufverhalten ändert und was das für Online Shops und Marktplätze bedeutet.
- E-Commerce SEO in Zeiten von Visual & AI Search.
- AI Search 2026 – SEO im Zeitalter der KI-Suche.
Man kann die verschiedenen Schwerpunkte schon erkennen. Der eine hat einen klaren E-Commerce Fokus, beim anderen ist Visual Search dabei und es gibt noch viele weitere Beispiele. These: Oft ist AI auch nur das Schlagwort, unter dem sich vieles verbirgt, was wir auch im “konventionellen” SEO besprechen würden. Zwei Dinge, die trotzdem passieren:
- Auf den ersten Blick sieht’s schon recht ähnlich aus.
- Am Ende des Tages hat man sich sehr viel mit AI beschäftigt.
Jeder kann sich selbst seine Sessions aussuchen und kann auch zum Vortrag zur Psychologie von Werbetexten gehen. Und: AI-Chatbots und LLMs sind aktuell hochrelevant. Wo sollten wir darüber sprechen, wenn nicht bei solchen Konferenzen? Beim Drink am Abend kommt dennoch ein müdes Lächeln und ein Spruch über den AI-Hype. Woran liegt das? Heiße Themen wurden schon immer durch das SEO-Dorf getrieben. Im Falle von ChatGPT & Co. habe ich aber das Gefühl, dass die Ermüdung gegenüber dem Thema schneller eingetreten ist als sonst.
Meine These: Durch “externe” Aufmerksamkeit ist der Druck höher. Plötzlich ist da dieses weltbewegende Thema und Experten gibt’s zunächst keine. Aber die SEOs, die müssen es ja wissen. Eine Sprechfähigkeit ist nicht nur branchenintern wichtig, sondern auch, weil viele fragend zu uns schauen. Das hat den Nebeneffekt, dass sich viele Menschen als Experten positionieren oder das zumindest wollen. Dank der gleichen Tools, über die diese sprechen, ist das auch in hoher Frequenz und generierter Rhetorik möglich.
So spannend die schöne neue AI-Welt auch ist, in meinen Augen weicht die Euphorie einer Ermüdung. :D Oder bin ich auf dem falschen Dampfer und eigentlich haben alle immer noch voll Bock auf Input zu AI und Co.? Habe gerade erst das Zitat gehört:
“It’s not beating a dead horse if that horse keeps getting up and keeps doing stupid shit.”
Wie siehst Du das Ganze? Nimmst Du auch eine Müdigkeit beim Thema wahr?