Ein Browser stirbt. Was bleibt?
Ich liebe neue Tools. Oder besser: Ich liebte sie. Dann wurde ich 30 – und mit jedem Jahr wurde es schwerer, meinen Stack zu hinterfragen.
Ich hab mir SublimeText-Shortcuts antrainiert, ScreamingFrog getuned, SISTRIX-URLs auswendig gelernt. Ich hab’ Skripte geschrieben, Workflows gebaut und alles so eingerichtet, wie ich es brauche.
Aber dann kam Arc. Ein Browser, der so viel richtig gemacht hat, dass ich bereit war, alles umzustellen. Tabs, die sich selbst schließen. Profile, die sich selbst organisieren. Eine Command-Bar, die wirklich hilft. Mehr Übersicht und Freude an kleinen Details.
Jetzt ist Arc tot.
Die Lücke
Ein Tool, das 90 % meines Arbeitstags bestimmt hat, wird nicht mehr weiterentwickelt. Und plötzlich merke ich: Ich bin verwöhnt.
Das sind die Features, die ich nicht mehr missen will:
- Tabs previewen, ohne sie zu öffnen (Little Arc)
- Command-Bar mit Screenshot-Funktion
- Split View: Tabs nebeneinander
- Permanente Seitentweaks (Elemente ausblenden, die stören)
Unwichtig? Vielleicht. Aber sie haben meine Arbeit besser schneller angenehmer gemacht.
Das Browser-Vakuum
Ich bin wieder auf der Suche. Es gibt viele neue Browser – am Ende ist Chromium unter der Haube, aber trotzdem: So viele ernstzunehmende Projekte wie lange nicht.
Einige klingen cool, aber sind mir zu riskant:
- Surf, mirror – spannend, aber zu nischig
- Zen – Arc-Klon, Open Source, aber noch roh; die Features, die mir wichtig sind, fehlen
- Brave – zu Crypto
Bleiben die großen Player:
- Chrome: Schnell, stabil, aber unflexibel
- Firefox: Offen, aber lahm in Entwicklung
- Safari: Zu rigide, zu Apple
- Vivaldi: Feature-Monster, aber steile Lernkurve
- Edge: Microsoft. Reicht für mich als Gegenargument
- Opera: Innovativ, aber der Fokus ist mir nicht klar
Und dann sind da die neuen AI-Browser:
- Comet von Perplexity
- OpenAI Browser
- Dia – Arc-Nachfolger, aber noch grün
Und jetzt?
Ich will nicht zurück zu Vanilla-Chrome.
Aber auch nicht in die Sackgasse eines Nischenprojekts. Features per Extension nachrüsten? Möglich, aber frickelig und nie ganz rund.
Also habe ich heute Fragen, keine Antworten:
- Wer baut mir meinen Arc-Nachfolger?
- Wie gehst Du mit solchen Situationen um, was sind Deine Hacks?
- Was sind die (nicht offensichtlichen) Punkte, die Deinen Browser zu Deinem Lieblingswerkzeug machen?
Fakt ist: Auch wenn AI Agenten kommen. Mindestens die nächsten Jahre brauche ich noch einen Browser (und es wird 2026 nicht mehr Arc sein).
Und gelegentlich tut es gut, den Status Quo zu challengen, auch wenn es weh tut. Denn das Challengen des Status Quo und das Gestalten unserer Arbeitsumgebung macht uns erfolgreicher (und am Ende zufriedener) im Job. Und der Browser ist für uns das wichtigste Arbeitsmittel, nach dem Kopf, und das wird sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern.