Hast Du Pet Peeves? Also ein Lieblings-Ärgernis? Ein Thema, über das Du Dich so richtig schön auslassen kannst?
Ich hab eins, und neulich wurde ich von einem lieben Winglumni mal wieder so richtig getriggert mit der Frage, ob x-default gebraucht wird.
Das x-default. Der Blinddarm am hreflang-Attribut… Der Vergleich hinkt zwar ein bisschen, da ein Blinddarm doch wichtiger ist als sein Ruf. Andererseits löst das x-default kaum so akute SEO-Entzündungssymptome aus, dass die Entwickler:innen eine Not-OP einleiten müssen.
Das Problem dabei: Es wird viel darüber nachgedacht, welche Variante am besten x-default sein soll, wenn in 99% der Fälle gar kein x-default gebraucht wird.
Damit Du Dir die Frage nicht stellen musst: Brauchst Du x-default Angaben? Nein.
Was ist mit Nutzenden, die durch keine hreflang-Variante abgedeckt sind?
Es gibt einen Zweck, für den x-default sinnvoll ist. Wenn Deine Webseite eine extra URL für die Sprachauswahl hat, auf die Du neue Nutzende leiten willst, wenn unklar ist, welche lokale Variante optimal ist. Dafür wurde x-default gebaut.
Best Practice, um möglichst für alle Nutzer:innen eine saubere hreflang-Angabe zu haben, ist Folgende:
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Wenn Du nur Sprachen hast, aber keine länderspezifischen Versionen, zeichne nur die Sprache aus und lass Country-Auszeichnungen komplett weg (`hreflang=”de”` statt `hreflang=”de-de”`).
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Wenn du für eine (oder mehrere Sprachen) mehrere Länderseiten hast, dann wähle die Wichtigste (Daumenwert - die mit dem meisten Traffic) und zeichne sie nur mit der Sprache aus. Die anderen Länder werden mit Sprach/Land Kombination ausgewählt. Der Hreflang-Block sieht dann z.B. so aus:
< link rel="alternate" hreflang="de-ch" href="https://www.beispiel.com/ch/"> < link rel="alternate" hreflang="de-at" href="https://www.beispiel.com/at/"> < link rel="alternate" hreflang="en" href="https://www.beispiel.com/en/" >``` Für Google heißt dieses Beispiel, englischsprachige Nutzer:innen bekommen die en-Variante, deutschsprachige Nutzer:innen aus der ganzen Welt die de-Variante. Außer sie sind aus der Schweiz oder Österreich, wo spezifische Varianten vorliegen. Diese werden jeweils auf die ch- oder at-Variante geleitet. -
Sollte ein Nutzer weder Deutsch noch Englisch als Browsersprache haben und es auch kein Signal geben, dass er eine der beiden Varianten bevorzugen könnte, dann ist keine der Varianten ein relevantes Ergebnis, weil der Nutzer sie nicht verstehen würde. Dann hilft auch kein x-default.
hreflang könnte eigentlich hrefcountry heißen.
Nach allem, was wir in den Daten unserer Kunden sehen, hat hreflang über Sprachgrenzen hinweg kaum einen messbaren Effekt (auch wenn es an aktuellen Fallstudien dazu mangelt. Falls Du zufällig ein internationales Setup ohne hreflang hast und das mit uns testen möchtest, sag mir Bescheid).
Aktuell ist der maßgebliche Effekt bei Ländervarianten in der gleichen Sprache. Hier fasst Google die sehr ähnlichen, lokalen Inhalte im Index als ein Dokument zusammen. Und hreflang sorgt dann nur dafür, dass die richtige URL zu dem Inhalt ausgespielt wird, wenn Nutzende aus einer bestimmten Region suchen.
Noch fasst Google ähnliche Dokumente in verschiedenen Sprachen nicht zusammen. Wir empfehlen trotzdem, wann immer möglich, vollständige hreflang-Umsetzungen, auch über Sprachen hinweg, da sich das in Zeiten immer mächtigerer Sprachmodelle früher oder später vermutlich ändert.
Wann x-default doch sinnvoll ist.
Wenn Dein international aufgestellter Konzern jetzt 137 Ländervarianten seiner Seite hat und Kunden häufig verwirrt auf der falschen Seite landen, dann wäre x-default auf einer Sprach/Land-Auswahlseite tatsächlich sinnvoll. Aber eben für die Auswahlseite, auf der ein:e Nutzer:in wählen kann, ob Englisch für Panama oder Französisch für Schweiz das Mittel der Wahl ist. Eine zufällig ausgewählte Seite, von der Du glaubst, dass sie bestimmt für viele Nutzende passt. Dazu kommt, dass die Auswahlseite für jeden Inhalt spezifisch sein muss. Es hilft den Nutzer:innen nicht, wenn die x-default-Sprachauswahl auf die Startseite führt, wenn er eigentlich zu irgendeinem bestimmten Produkt wollte.
Das ist der eine echte Use Case für x-default.
Jolle hat aber neulich gesagt, dass hreflang für die Canonicalisierung ein Signal ist.
Google bemüht sich immer mehr Dokumente im Index zusammenzuführen. Und eine hreflang-Gruppe ist ein Spezialfall der Canonicalisierung. Und, wie eben erwähnt, eine gleichsprachige hreflang-Gruppe ist heutzutage in der Regel auch als ein Dokument im Index geführt. Die Auswahl, welche Sprachvariante dann von Google als Haupt-URL gewählt wird, könnte in der Tat durch x-default beeinflusst werden.
x-default ist nur ein Signal unter vielen und nicht der magische Zaubertrick, um Google zu sagen, welches Canonical man haben möchte.
Ich sehe einen Punkt, wo das hilfreich sein könnte: Das Reporting in der GSC. Seit 2019 hat Google angefangen die Performance-Daten in der GSC immer der Kanonischen URL zuzuschlagen.
Da gleichsprachige hreflang-Varianten im Index in der Regel zusammengefasst werden, passiert das auch hier. Wenn Du beispielsweise Produktseiten für DE und AT hast, die sich weitestgehend gleichen, wird der Großteil des Traffics laut GSC immer nur auf eine der Varianten gehen, auch wenn in deiner Webanalyse die Traffic-Aufteilung zwischen DE und AT den Marktanteilen entspricht.
Dabei ist es in vielen Fällen Zufall, ob Google die DE oder AT-Variante als Haupt-URL auswählt. Im Ergebnis ist die Auswertung zwischen beiden Varianten ein Graus. Mit gezieltem (wenn auch fachlich eigentlich falschem) Einsatz von x-default könnte man Google dazu bewegen, eher eine Sprache als Haupt-URL zu wählen. Ob das funktioniert, konnte ich bislang leider nie testen. Falls Du mit dem Reporting gleichsprachiger hreflang-Varianten kämpfst und Lust hast, diese Idee gezielt zu testen, melde Dich gern bei mir!