Wir sehen eine gefährliche Tendenz zu „Self-Promotional Listicles“, wo Marken sich selbst auf der eigenen Seite als Nummer eins platzieren.
Diese GEO-Taktiken nutzen die aktuelle Schwäche von LLMs aus, die Schleichwerbung noch nicht erkennen und ungefiltert wiedergeben.
Eine Strategie auf der Unfähigkeit von KIs zur Quellverifikation aufzubauen, ist nicht nur rechtlich riskant, sondern schädigt auch nachhaltig Deine Marke.
Bleibe sauber, halte Dein Markenversprechen und setze auf Vertrauen, anstatt Deine Nutzer und Algorithmen für dumm zu verkaufen.
Mal ganz ehrlich… haben wir im SEO nicht eigentlich gehofft, dass wir die Phase der plumpen Manipulation hinter uns haben? Letzte Woche auf der SMX in München saß ich in der erfrischenden Keynote von Wil Reynolds, der diese unsäglichen Self-Promotional-Listicles an den Pranger stellte.
//skippen, wenn Du weißt, was ein Self-Promotional-Listicle ist
So, wat is dat nun, ein Self-Promotional-Listicle?
Eine Brand schreibt auf der eigenen Seite einen Artikel über die “10 besten Tools für [hier Nische einfügen]” und… Trommelwirbel und Tötöröö Überraschung! … setzt sich selbst auf Platz 1.
Mir fällt dabei direkt das süffisante Lächeln aus diesem Listicle-Erklärbär-Video hier ein. Edward Sturm und Ivan Pali zeigen dort recht schmerzfrei, wie erschreckend einfach man LLMs wie Perplexity oder ChatGPT damit aktuell noch austricksen kann. Die KI hat nämlich (noch) keine Qualitätsfilter für Schleichwerbung und plappert brav nach, was in diesen “Bestenlisten” steht.
//skippedibipibidibop Ende
GEO-Grüße aus der Giftküche
Diese sogenannten GEO-Taktiken (Generative Engine Optimization) schießen gerade wie Unkraut aus dem Boden. Alle suchen wieder nach dem einen geheimen Hebel, dem man gewissenlos nacheifern kann. Endlich wieder Abkürzungen nehmen!
Gott sei Dank gibt es Stimmen wie Gero Wenderholm, der das Thema direkt wieder beerdigt und zu Besonnenheit aufruft. GEO als Disziplin ist für ihn quasi schon tot, bevor der Hype-Zyklus überhaupt den Gipfel erreicht hat. Recht hat er. Wer seine Strategie auf der Unfähigkeit aktueller LLMs aufbaut, Quellen zu verifizieren, baut auf Sand. (Und so blöd sind auch wirklich nur die Harkonnen in Dune 2000.)
Rechtlich? Keine Ahnung, bin ja kein Anwalt, aber ich fürchte, hier bewegen wir uns ganz schnell auf sehr dünnem Eis. Mal abgesehen von Stil und Anstand (der “feinen englischen Art”,) ist diese Art der Täuschung vermutlich rechtlich hochgradig riskant. Für mich klingelt da als Buzzword “Schleichwerbung”… UWG.
Und dann lauert da auch noch der Mount AI
Neben Wil warnte auch Malte Landwehr in seinem SMX-Vortrag nachdrücklich vor dem Mount AI, der AFAIK zuerst von Glenn Gabe bekraxelt definiert wurde.
Manipulation vs. Marke
Ich bin ein riesiger Fan von Testing. Wir müssen wissen, was funktioniert. Aber ich bin extrem skeptisch gegenüber allem, was hektisch und fragwürdig manipulativ ist. Die Gefahr, die eigene Brand durch solche Fehltritte nachhaltig zu beschädigen, ist viel zu groß.
Und wenn man dann noch so easy “erwischt” werden kann, wie Wil Reynolds es uns gezeigt hat, befindet man sich mitten in der GEO-Giftküche. Mach einfach mal eine Site-Abfrage bei Deinem “frechsten” Marktbegleiter à la site: frecher-marktbegleiter.de “bester popcornanbieter”.
Achtung, Karma-Risiko!
Das Problem wird laut Wil dann richtig eklig, wenn Du zum Opfer dieser Taktik wirst und mit Deiner Marke auf einmal in fremden Listicles auf dem letzten Platz stehst. Eventuell schon mal den Anwalt auf Kurzwahl legen.
Bleib also besser sauber und halte Dein Markenversprechen. Immer! Verkaufe Deine Nutzer (und die Algorithmen) nicht für dumm. Am Ende gewinnt die Marke, die Vertrauen aufbaut, nicht die, die am lautesten “Ich bin die Nummer 1” in ein selbst geschriebenes Listicle schreit. Mehr dazu auch in unserer aktuellen Wingcast - SEO Podcast Folge 3.