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Head of Operations & Quality

Vor ein paar Wochen war ich beim OMT Agency Day. Gemeinsam mit Martin Erlewein durfte ich einen Vortrag halten zum Thema „Homeoffice, Haftung und Hirnschmalz: Agenturführung im Spannungsfeld zwischen Pflicht und Praktikabilität“.

Ja, klingt erstmal nicht so spannend, oder? Der ganze Rechtskram rund um Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz, IT-Sicherheit, Datenschutz und Arbeitszeiterfassung ist jetzt nichts, wofür ich morgens aufstehe. Aber spannend fand ich, wie andere Agenturen damit umgehen. Gerade in Zeiten von Homeoffice und Remote Work.

Daher haben wir zusammen mit dem OMT eine Umfrage mit Agentur-Inhaber:innen vorweg gemacht. Und dabei zeigte sich: Nicht alles, was Vater Staat vorschreibt, wird von allen umgesetzt (wenn Dich die Details interessieren, schreib mir gern).

Da stellt man sich doch die Frage: Wie kommt das? Ist es Unwissen, Verantwortungslosigkeit oder bewusstes Kalkül? Warum gehen hier Geschäftsführer:innen rechtliche Risiken ein?

P.S. Um hier keine schlafenden Hunde zu wecken, so schlimm war und ist es nicht… ;)

Risiko ist nicht der Feind

Ich bin ja von Natur aus ein eher sicherheitsbewusster Mensch. Risikoavers, wie man so schön sagt. Aber ich hab im Laufe der Jahre auch gelernt: Plumpe Risikovermeidung ist selten der richtige Weg. Es geht nicht darum, Risiken komplett auszuschalten, sondern sie zu verstehen.

Was ist eigentlich ein Risiko? Und was ist im Gegenzug eine Chance?

Eine schöne Einordnung dazu habe ich vor einiger Zeit dank Maja Göpel am Beispiel Klimaschutz gefunden. Bei Markus Lanz erklärt sie in 90 Sekunden, welche Faktoren eine Risikoanalyse ausmachen.

Kurzum definiert sie Risiko so:

Risiko = Schadenshöhe × Eintrittswahrscheinlichkeit × Irreversibilität.

Damit macht sie klar: Nur wer versteht, wie groß ein Risiko wirklich ist – also wie schlimm die Folgen wären, wie wahrscheinlich sie eintreten und wie schwer sie rückgängig zu machen sind – kann sinnvoll handeln.

Klingt nüchtern, ist aber hochpraktisch. Denn damit lässt sich das diffuse Gefühl „Das ist riskant!“ plötzlich quantifizieren.

Chancen kann man auch rechnen

Und genauso kann man auch die andere Seite der Medaille, die Chancen, greifbarer machen. Ich hab mir deshalb eine analoge Gleichung überlegt:

Chance = Impact × Uplift-Wahrscheinlichkeit × Aufwandshöhe.

Wie groß ist der potenzielle Hebel? Wie wahrscheinlich ist es, dass das klappt? Und wie viel Aufwand braucht’s, um das überhaupt umzusetzen?

Genau das sind Fragen, die ich auch in SEO-Projekten wichtig finde. Weil sie helfen, Dinge zu priorisieren. Mit gesundem Menschenverstand und einem Blick fürs Machbare.

Chancen, Risiken: Erinnert Dich das nicht an was?

Damit sind wir bei einem Klassiker der Unternehmensberatung: der SWOT-Analyse. Entwickelt in den 1960er-Jahren an der Harvard Business School, wobei die Prinzipien dahinter schon wesentlich älter sind.

So sagt schon der chinesische General, Militärstratege und Philosoph Sunzi (544 – 496 v. Chr.):

„Wenn du den Feind und dich selbst kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten. Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den du erringst, eine Niederlage erleiden. Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen.“

Übersetzt: Du musst Dich und Dein Marktumfeld verstehen, wenn Du zum Erfolg kommen willst. Keine Strategie funktioniert, wenn sie losgelöst von der Realität gedacht wird.

Daher schaut eine SWOT-Analyse auf die Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken).

Kennst Du vielleicht noch aus dem Artikel zu Red Ocean vs. Blue Ocean SEO von Philipp. Und Johan hat zu dem Thema Das Risiko ist der Preis für die Chance vor einiger Zeit auch schon mal was geschrieben.

Das klingt einfach, wird aber in der Praxis gern mal vergessen. Da neigt man dazu, lieber Plug’n’Play-SEO zu spielen. Doch jeder Case ist individuell – und genau das definiert, was die besten nächsten Schritte im SEO für ein Unternehmen sind. Wo liegen Ressourcen? Wo sind Grenzen? Welche Marktchancen gibt’s? Welche Risiken sollte man bewusst einkalkulieren?

Heruntergebrochen bedeutet das:

Wenn Deine IT keine Kapazität hat, nützt Dir das beste technische Audit nichts. Wenn Deine Stärke im Content-Team liegt, sollte sich die Strategie daran orientieren. Und wenn Du in einem Bereich Deines Unternehmens einfach das beste Angebot hast, dann leg da Deinen Fokus darauf anstatt irgendwas mit Suchvolumen zu skalieren.

SWOT hilft, genau das sichtbar zu machen.

Am Ende zählt das Machbare

Am Ende ist das eine ganz einfache Wahrheit: Jede gute SEO-Strategie ist ein Spiegel der Unternehmensrealität.

Und die Kombination aus SWOT inkl. Risiko-/Chancenanalyse hilft, Entscheidungen zu treffen, die nicht nur richtig, sondern auch realistisch sind.

SEO ist kein Selbstzweck. Es ist ein Werkzeug, um Ziele zu erreichen – innerhalb der Möglichkeiten, die ein Unternehmen hat.

Oder kurz gesagt: Wer seine Stärken kennt, kann mit weniger Risiko mehr Chancen realisieren.

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