Wie Johannes von Sistrix in seinem Facebook Post berichtet, ist es mittlerweile gut zwei Wochen her, dass Apple sein App Tracking Transparency (ATT) Programm scharfgeschaltet hat. Seit dem 26. April müssen sich iOS Nutzer dem Tracking in Apps aktiv zustimmen und das auch noch in einem standardisierten Dialog, der die Ablehnung so einfach und bequem macht wie die Zustimmung. Eine Vorstellung davon wie das aussieht, bekommt man auf ATTPrompts.com.
Mit weltweit nur 12% Tracking-Zustimmung sehen die ersten Daten sehr ungünstig aus für alle, deren Geschäftsmodell auf der App-übergreifenden Nutzung von Daten beruht:

Im zahlungskräftigen US-Markt liegt die Consent-Rate sogar nur bei 5%.
Betroffen ist davon vor allem Facebook, die von iOS Nutzern nun erheblich weniger Daten sammeln können. Facebooks Interessenprofile von Nutzern werden dadurch weniger genau. Dadurch wiederum werden Werbeanzeigen weniger passgenau ausgespielt. Conversion Rates sinken, Facebook-Werbung ist weniger wertvoll und muss in Folge günstiger werden.
Im Gesamtkontext ergibt sich daraus: Der Wert anderer Traffic-Kanäle steigt, insbesondere im Web. Auch wenn für Websites grundsätzlich die gleichen rechtlichen Anforderungen an Consent-Dialoge gelten, reizen die meisten Website-Betreiber ihre technisch-gestalterischen Freiheiten so aus, dass Zustimmungsraten von > 80% keine Seltenheit sind. Webtraffic bedeutet für viele: SEO-Traffic. Unsere Lieblingsdisziplin hat durch Apples Privacy Vorstoß also zumindest kurzfristig mehr Gewicht bekommen.
Trotzdem ist Weitsicht angesagt: Auch Tracking im Browser wird schwerer. Wieder dank Apple (Safari) und Mozilla (Firefox) werden Cookies immer stärker in ihren Möglichkeiten eingeschränkt. Googles Cookie-Alternative FLoC ist noch in der ersten Erprobungsphase und schon jetzt kündigen andere Browserhersteller an, die Schnittstellen nicht als Standard zu übernehmen.
Werbetreibende und Publisher können sich unter Umständen auf eine Renaissance der Umfeldvermarktung einstellen. Clever gemacht könnten hier die Targeting-Möglichkeiten wieder besser werden als über Nutzerprofile denen immer weniger Datenpunkte zu Grunde liegen. Diese Frage auszuwerten wird für Werbetreibende wichtiger, aber auch schwerer.