Vorab sei gesagt: Ja, die Search Console ist ein kostenloses Tool, das Google uns zur Verfügung stellt. Ja, heutzutage gibt es darin Funktionen, von denen SEOs vor zehn Jahren nur geträumt haben. Ja, auch wir können nicht ohne sie. Und trotzdem treibt uns dieses Stück Software manchmal an den Rand des Wahnsinns – nicht wegen dem, was es tut, sondern wegen dem, was es unterlässt.
Fans des Klassikers “Zahlen, Fakten und Fuckups” (Credits an meinen Kollegen Behrend) wissen ja, dass man über einige wesentliche Aspekte in der Search Console nicht informiert wird. Zum Beispiel gibt es zwei Zählweisen von Impressionen, die je nach Anwendung eines Filters im Frontend wechseln. Wird das irgendwo in der Benutzeroberfläche signalisiert? Fehlanzeige! Nenn es einen persönlichen Pet Peeve, aber so etwas geht mir schon wirklich auf den Zeiger.
Ein weiterer Kandidat für diese Reihe findet sich in der URL Inspection. Stell Dir vor, Du hast Deine URLs migriert auf ein neues Muster und möchtest nun prüfen, ob die neuen URLs auch indexiert werden. Du schmeißt eine URL in den Suchschlitz der GSC und Dir schlägt die enttäuschende Meldung entgegen:
Kurz gescrollt und Du siehst: Huch, da wird doch glatt die weiterleitende URL als kanonische Variante von Google ausgewählt. Schnell rufst Du die alte URL im “Inspection Mode” auf und siehst:
Die URL ist ja tatsächlich indexiert. Aber wird die nicht weitergeleitet? Du bekommst einen Schreck. Greifen die Redirects etwa nicht?
Zur Sicherheit öffnest Du die alte URL im Browser und checkst Dein Plugin:
Jetzt bist Du verwirrt. Wie kann es Denn sein, dass Google die alte URL indexiert, obwohl sie weiterleitet? Du klickst auf “View Crawled Page” und klickst auf “More Info”.
Du bist schon kurz davor, die GSC, Google oder die gesamte Welt für verrückt zu erklären. Dann prüfst Du nochmal das HTML der gecrawlten Seite.
Da fällt es Dir auf:
Darin befinden sich HTML-Klassen und Elemente, die es auf der alten Seite doch gar nicht gab. Dann fällt der Groschen und ein Wort hallt durch Deinen Kopf:
Canonicalisierung.
Google hat die beiden Dokumente einer Canonical-Gruppe zugeordnet. Aus dieser Gruppe wird eine URL ausgewählt, die in den Suchergebnissen angezeigt wird. An den Inhalt kommt Google bei einem Crawl trotzdem nicht mehr ran, weil der Bot ebenfalls weitergeleitet wird. Wir bekommen also den Inhalt der neuen URL angezeigt, unter der als kanonisch deklarierten alten URL.
Wenn man das weiß, dann ist alles halb so wild.
Aber wie eingangs bereits angedeutet, glänzt das User Interface der Search Console nicht durchgängig mit Transparenz.
Dass das angezeigte HTML unter “View Crawled Page” also gar nicht zur ursprünglich inspizierten URL gehört, wird mit keinem einzigen Wort erwähnt.
Und so hoffe ich, dieser Beitrag ist Dir eine Hilfe, sollte Dir Ähnliches widerfahren.