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Das Wichtigste in Kürze
  • Google hat Mitte September die Product Grids und den Shopping Tab in EU-Suchergebnissen gestrichen
  • Das ist nicht freiwillig, sondern durch potenzielle massive Strafen der EU-Kommission ausgelöst und führt laut Google zu einer deutlich messbaren Verschlechterung der Suchergebnisqualität
  • Konsequenzen: Weniger oder kein Traffic über Merchant Listings, weniger Traffic auf PDPs, mehr Traffic auf PLPs und eine geringere Bedeutung der Optimierung für Product Grids
  • Gewinner: Preisvergleiche (PVG), autoritäre Shops und Google Paid Shopping
  • Was Du tun solltest: PLPs optimieren, mehr mit PVGs zusammenarbeiten und weiterhin Deine Feeds optimieren
  • Mich begeistern die Veränderungen gar nicht und am Ende leiden vor allem die User


Der E-Commerce-Elefant hat den Raum verlassen

Google hat über Nacht aus dem Elefanten eine Mücke gemacht. Witzig, weil ich seit Anfang letzter Woche aus meinem Urlaub zurück bin und kurz vorher noch diese Beobachtungen in unserem Slack geteilt habe:

Ein Slack-Screenshot, in dem ich auf 3 Beobachtungen in der Google Suche aufmerksam mache. Punkt 3 bezieht sich auf Veränderungen von Product Grids und der These, dass das mit dem DMA zusammenhängt.

Punkt 3 war der Test für den großen Knall – organische Product Grids und der Shopping Tab verschwinden aus den EU-Suchergebnissen. Crazy, weil ich die Product Grids vor 2 Jahren als Elefanten im E-Commerce beschrieben habe, den man nicht übersehen kann.

Jetzt ist der Elefant unsichtbar geworden, über Nacht.

Was ist mit den Product Grids und dem Shopping Tab (warum) passiert?

Eine visuelle Darstellung der Präsenz von Product Grids in unterschiedlichen Ländern, wo man zum 16.09. einen starken Einbruch in EU-Ländern erkennen kann.

Quelle: Productrise

Wie man an dem Graphen schön sehen kann, gab es rund um 15.09.-17.09. einen massiven Einbruch der Präsenz von Product Grids (hier Carousels genannt) in EU-Suchergebnissen.

Auch der Shopping- bzw. Produkte-Tab ist in der EU verschwunden (zumindest visuell, denn per &udm=28 oder &tbm=shop als Parameter kannst Du ihn erzwingen, wenn Du das an eine Such-URL bei Google anhängst).

So sah das vorher aus:

Eine Beispiel-Suchergebnisseite von Google für das Keyword Couch, wo man ein Product Grid mit 6 Produkten sehen kann.

Und so sieht es jetzt aus:

Eine Beispiel-Suchergebnisseite von Google für das Keyword sofa 3 sitzer mit schlaffunktion, wo 2 Blöcke zu sehen sind. Einer ist für Vergleichsportale, bei denen CodeCheck, idealo und Google gelistet sind. Für CodeCheck sind direkt Produkte sichtbar, für die anderen nicht. Darunter ist ein Block für Geschäfte, wo Ikea mit einer PLP und Beautysofa24 mit einer PDP rankt.

Statt des Grids gibt es jetzt also 2 Blöcke:

  1. Vergleichsportale/Comparison Pages (PVG)
  2. Geschäfte/Stores (bzw. echte Merchants)

Unter den Preisvergleichen finden wir auch Google, aber nicht immer. Hier rotiert Google jetzt, sodass auch kleinere (und nicht Google-)Preisvergleiche eine Chance haben.

Wenn Du ein Produkt bei einem PVG anklickst, gelangst Du dort direkt zur PDP des PVG. Ausnahme ist Google – wenn Du hier klickst, landest Du im alten Shopping Product-Panel-Gehege mit den Informationen aus dem Shopping Graph und zu den Merchants.

Warum macht Google das?

Hier treffen zwei Schwergewichte aufeinander: Die EU-Kommission hat Google eine 460 Mio. € Strafe auferlegt, weil sie bei Shopping, Hotels & Co. sich (angeblich) selbst bevorzugt. Google hatte 60 Tage Zeit an der Selbstbevorzugung zu schrauben, sonst, so drohte die EU-Kommission, Google müsse 5% weltweiten Jahresumsatz blechen.

Google selbst sagt, dass sich die Suchqualität dadurch massiv verschlechtert (die stärkste Reduktion in 29 Jahren – u.a. vor dem großen Rollout getestet).

“These changes degrade the user experience for Europeans – boosting online intermediaries at the expense of local businesses, and removing helpful features people rely on every day. Users outside the EU will not be impacted by these changes”

– Nick Fox (VP of Knowledge and Information) gegenüber Reuters.

Es ist noch unklar, ob die jetzigen Anpassungen der EU-Kommission ausreichen und/oder ob Google selbst nochmal anpassen wird.

Was sind die Konsequenzen des Verschwindens der Product Grids?

Wenn ein SERP Feature wegfällt, das explizit in einem Bucket der GSC ausgewiesen wird, kann man das unmittelbar als Traffic-Verlust erkennen (Beispielkunde):

Ein Screenshot aus einem GSC Account, wo auf Merchant Listings gefiltert ist. Hier kann man um den 13.09. beginnend einen starken Einbruch im Traffic erkennen.

Wenn Du auch einen Shop hast, solltest Du das in der GSC sehen können, wenn Du bei der Darstellung innerhalb der Suche auf Händlereinträge bzw. Merchant Listings filterst (was nicht automatisch heißt, dass Du insgesamt weniger Traffic bekommst).

Allgemeine Konsequenzen:

  • Weniger/kein Traffic über Merchant Listings
  • Weniger Traffic auf PDPs
  • Mehr Traffic auf PLPs
  • Optimierung für Product Grids verliert an Bedeutung

Gewinner:

  • (Kleine) Preisvergleiche (PDPs), die durch die Rotation häufiger prominent platziert sind
  • Als Autorität anerkannte Shops (PLPs), die sowieso schon gut ranken
  • Google Paid Shopping

Warum gewinnt Google Paid Shopping?

  • Mindestens ein Teil von Menschen will Produkte inkl. Bildern sehen
  • Paid Shopping ist ganz oben integriert
  • Paid wird immer größer (Flo hatte dazu berichtet)

Was ich an Deiner Stelle tun würde

Deine PLPs/Kategorieseiten verbessern

Das galt auch schon vorher, selbstverständlich. Aber durch den abnehmenden Druck bei Organic Shopping und PDPs kann man freigewordene Kapazitäten gut in PLPs investieren.

Auch in 2026 gibt es viele Shops, bei denen indexierbare sinnvolle Filterfacetten ein großer Wachstumshebel sind.

Mehr oder überhaupt mit PVGs zusammenarbeiten

Wenn Du bei Vergleichsportalen bisher gar nicht stattfindest, ist jetzt ein guter Zeitpunkt. Oder um die Fühler weiter auszutrecken.

Menschen nutzen PVGs, das ist Fakt. Der Preis entscheidet in vielen Produktkategorien, zumindest teilweise, wo man kauft. Auch bei Google Shopping ist der Preis ein entscheidender Faktor, welcher Merchant vorne steht.

Weiterhin Deine Feeds optimieren, weil sie nicht nur für Product Grids wichtig sind

Paid Shopping ist nur ein Teil. Was ist

  • mit anderen Ländern, wo diese Regelung nicht greift,
  • OpenAI/ChatGPT, die händeringend Feeds haben wollen und
  • AIOs bzw. dem AI Mode?

Bei letzteren gibt es in der EU noch keine Shopping-Integration – vermutlich auch wegen des DMA. Aber das könnte sich jederzeit ändern.

Abschließender Senf von mir zu dieser einschneidenden Veränderung

Für mich macht es spürbar die User Experience schlechter. Ich fand es vorher schon quatschig, dass Google durch den DMA dazu gezwungen war, PVGs in ihrem PVG zu verlinken. Genauso nervig ist es, wenn man teilweise nur über Umwege zu Google Maps oder Google Flights kommt.

Ich verstehe aber auch, dass sich andere benachteiligt fühlen und es hier eine Lösung gebraucht hat. Nur die Lösung, die man gefunden hat, ist für Dich und mich als User (aus meiner Sicht) nicht gut gelungen. Es gibt ein Sprichwort: Wenn Elefanten kämpfen, leidet das Gras. Das trifft hier gut zu.

Für mich ist es nur schwer vorstellbar, dass das langfristig so bleibt, wie es jetzt ist. Google wird Dinge ausprobieren. Daher glaube ich auch, dass sie bei AIOs und dem AI Mode mutig sein werden, wenn die Shopping-Graph-Integration in der EU einkehrt.

Dann könnte man sagen, Totgesagte leben wirklich länger.

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