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Google macht's jetzt extra hässlich, Budgetplanung & Gutscheinportale

Twiddler, Vibe Coding und der ganz normale Suchwahnsinn

Episode 014 · Sep 15, 2026 · 34:00 min

Cover: Google macht's jetzt extra hässlich, Budgetplanung & Gutscheinportale
Google kassiert Ärger aus Brüssel und reagiert ungefähr wie ein beleidigter Teenager: Dann werden die Suchergebnisse in Europa eben hässlicher. Jolle und Flo diskutieren Site Reputation Abuse, Gutschein-Spam und organische Rankings, die unter Ads und AI Overviews verschüttet werden. Für 2027 gilt deshalb: SEO und GEO gemeinsam budgetieren, Experimente sauber testen und nicht jeden KI-Zirkus zur Strategie erklären.

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Nach dem etwas entgleisten Offsite-Gekicher der letzten Folge soll es diesmal fachlicher werden - mit diesem vorsichtigen Versprechen starten Jolle Lahr-Eigen und Florian. Dieses Gelöbnis hält ungefähr so lange wie ein Neujahrsvorsatz neben einer offenen Chipstüte. Erst muss Flo noch die mutmaßliche Entwendung eines Podcast-Mikrofons durch eine Bestechungspizza juristisch befrieden, dann kommen pubertierende Bassmusik, König der Löwen und natürlich die inzwischen fest zum Inventar gehörende Plastikschnecke.

Danach geht es tatsächlich um SEO – und um Google in seiner Lieblingsrolle: beleidigter Monopolist mit hervorragend ausgestatteter Rechtsabteilung.

Die EU greift ein und Google macht es extra hässlich

Google soll laut dem besprochenen Reuters-Bericht 460 Millionen Euro zahlen und innerhalb von 60 Tagen beanstandete Praktiken ändern. Im Zentrum steht die Bevorzugung eigener Angebote wie Maps, Flights sowie Hotel- und Restaurantfunktionen. Andere Vergleichsportale und Verzeichnisse sollen in den Suchergebnissen bessere Chancen bekommen.

Google warnt prompt, dadurch werde die Suche in Europa schlechter. Und teilweise ist daran sogar etwas dran: Die eigenen Dienste sind häufig komfortabler als jene Branchenbücher, die aussehen, als hätte seit 2007 niemand mehr das CSS angefasst. Allerdings konnten sich viele Konkurrenten kaum entwickeln, weil Google jahrzehntelang selbst das größte Schaufenster besetzte. Wer immer vorne steht, sammelt mehr Daten, testet mehr und wird dadurch noch besser. Ein Kreislauf, gegen den sich selbst sehr motivierte Start-ups ungefähr so gut stemmen können wie eine Gartenbank gegen einen Güterzug.

Das Dilemma: Kurzfristig bekommen User möglicherweise unattraktivere Ergebnisse. Langfristig soll verhindert werden, dass Google zur einzigen Tür ins Internet wird – inklusive Türsteher, Hausordnung und eigener Cocktailkarte.

 

Ein ähnlicher Konflikt entsteht beim sogenannten Site Reputation Abuse. Große Publisher vermieteten Unterverzeichnisse oder Subdomains an Gutschein- und Vergleichsanbieter, die vom guten Ruf der Hauptdomain profitierten.

Google wertete diese Modelle deshalb als Missbrauch und ließ viele der Verzeichnisse aus den Rankings purzeln. Nach europäischer Intervention wird offenbar zurückgerudert: Solche Bereiche dürfen wieder erscheinen, sollen aber getrennt von der Autorität der Hauptdomain bewertet werden.

Technisch spannend ist, dass Google die Seiten offenbar nicht zwingend aus dem Index entfernte. Ein Filter – im Google-Sprech ein „Twiddler“ – sortierte sie erst bei der Zusammenstellung der Ergebnisse aus. Die Seiten waren also da, durften aber nicht mitspielen. SEO-Hausarrest gewissermaßen.

Flo hält von vielen Gutscheinportalen trotzdem wenig: veraltete Codes, Werbung bis unters Dach und genug Tracking, um anschließend von Toastern im Internet verfolgt zu werden. Jolle gibt zu bedenken, dass Menschen gezielt nach Rabatten suchen und gute redaktionelle Angebote durchaus einen Wert haben. Problematisch wird die Rolle rückwärts für Publisher, die ihre Verzeichnisse mühsam verbessert haben: Wenn die schmierigen Methoden wieder funktionieren, war Qualität plötzlich nur ein teures Hobby. Mit Vibe Coding lassen sich solche Portale inzwischen zudem im Akkord ins Netz nageln. Hurra, noch mehr Seiten, die niemand vermisst hat.

 

Parallel wachsen die Werbeanzeigen in den Suchergebnissen – nicht nur in ihrer Anzahl, sondern auch in ihrer Fläche. Dazu kommen Shopping-Elemente, AI Overviews und der KI-Modus. Besonders bei kommerziellen Suchanfragen kann ein organischer Spitzenplatz deshalb tief unterhalb des sichtbaren Bereichs landen.

Die gute Nachricht: Man ist auf Platz eins. Die schlechte: Davor stehen zwei Bildschirmseiten Google-Mobiliar. SEO-Erfolg fühlt sich inzwischen manchmal an wie ein VIP-Ticket mit Eingang hinter dem Lieferantentor.

 

Für die Jahresplanung empfehlen Jolle und Flo drei Budgettöpfe:

Das Standbein sichert den Bestand: technische Pflege, Aktualisierungen und Evergreen-Content. Ein Verschlechterungsverhinderungsbudget – sperriges Wort, vernünftige Idee.
Das Spielbein finanziert Wachstum: neue Inhalte, bessere Seitenstrukturen, interne Verlinkung und hochwertige Produktdaten. Also all die langweiligen Dinge, die funktionieren, während alle anderen „AI first“ auf ihre PowerPoint schreiben.
Der dritte Topf gehört Experimenten. Neue GEO- und KI-Maßnahmen werden mit klaren Hypothesen getestet. Erfolgreiche Versuche wandern ins Wachstumsbudget und später in den Regelbetrieb. Wirkungsloser Spielkram fliegt raus.

Entscheidend ist, SEO und GEO nicht gegeneinander antreten zu lassen. Unternehmen brauchen weiterhin funktionierende Websites und klassische Suchmaschinenoptimierung, zusätzlich aber neue Tools, KI-Credits und Kompetenzen. Einfach das Vorjahresbudget um zehn Prozent zu erhöhen, während sich die Suche grundlegend verändert, ist Finanzplanung nach dem Prinzip „Wird schon irgendwie“.

 

Mehr über Jolle, Flo und die Wingmen:

Zur Website: https://wngmn.com/de/

Jolle auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/jolle-lahr-eigen/

Flo auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/fstelzner/

 

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Kapitel

  • (00:00) Intro & Feedback zur letzten Folge
  • (00:59) Die Pizza-Bestechung für das Podcast-Mikrofon
  • (04:06) Pubertierender Musikgeschmack: 'Bus ist geil'
  • (07:24) EU vs. Google: Sinkt die Suchqualität absichtlich?
  • (16:52) Googles Site Reputation Abuse Update erklärt
  • (22:15) SEO-Budgetplanung 2027: Standbein, Spielbein, Dreibein
  • (31:42) Fun Fact: Die Danny Sullivan Wahl-Verwirrung in Alaska